Zwei längere Reisen in die Ägäis: nach Rhodos, an die türkische Westküste und auf die Kykladen, sind die Folie, auf der Willi F. Gerbode, seine Erfahrungen mit griechischen und türkischen Befindlichkeiten ausbreitet. Sein ironischer Zugang zu den Menschen und seinen Erlebnissen mit ihnen und ihrem sozialen und kulturellen Hintergrund liefern auf unterhaltsame Art und Weise Einblicke in den Kosmos des östlichen Mittelmeeres und sind gleichzeitig so etwas wie moderne Selbsterfahrungstripps. Zahlreiche Fotos und "lexikalische Einträge" illustrieren und vertiefen zugleich Anschaungen des Autors, denen jeder Anspruch auf Objektivität fremd ist und ihn dennoch nicht selten einlöst. So beschäftigt sich der Autor mit der griechischen Vorstellung von Fremden und Freunden, mit der Einstellung der Hellenen zu Kindern, ihrer Rolle als "Gastarbeiter" und ihrer heutigen Sicht auf die in ihrem eigenen Lande. Er widmet sich intensiv ihrem begriff von Liebe und Erotik und nutzt dabei häufig seine Kenntnis der Landessprache, um sich von der Oberfläche der puren Erfahrung zu entfernen.
Gerbodes Reiserzählungen machen neugierig auf das Unterwegssein, sind Appetizer auf den Kontakt mit dem bekannten im Unbekannten.
Wenn eiinerr eiine Reiise tut, dann kann er was erzählen.
Und wenn einer viele Reisen tut, dann kann er viel
erzählen. Der Kabarettist und Autor Willi F. Gerbode reist
viel und gern. Manch einer meinte bereits, er werde sich
eines Tages selbst begegnen.
Doch bevorr das geschiiehtt, wendet sich der Autor erst einmal
denen zu, die er auf seinen Trips im östlichen Mittelmeer
kennen gelernt hat. In seinem aktuellen satirischen
Reisebuch ERDOGAN, PAPANDREOU & ICH scheinen viele
davon auf: der Ticketverkäufer im Hafen von Rhodos
ebenso wie dessen weibliches Pendant im „Tal der
Schmetterlinge“; die Pensionswirtinnen und -wirte auf der
Inselgruppe der Kykladen genauso wie ein volldeutsch
integrierter Türke aus dem Schwäbischen mit Zweitwohnung
in Izmir; Angelina Jolie und Brad Pitt beim Dreh
vor Santorini ebenso wie die Titelhelden Erdogan und
Papandreou, tränenüberströmt auf dem Weg in die
griechisch-türkische Freundschaft; dazwischen jede
Menge Bus-, Taxi-, Trittbrettfahrer und die ungeliebte
Reisebegleiterin Dini aus Holland, die sich als Filzlaus entpuppt.
Derr Reiisende hatt Gellegenheiitt über die multiplen Kreuzzeichen
zu sinnieren, jene Ganztagsgymnastik, mit der ein
Touri bei jeder Busfahrt konfrontiert wird. Der Forschungsreisende,
bewandert im Neugriechischen, erhält zudem
immer wieder Gelegenheit die Bedeutung und Herkunft
griechischer Begriffe und Eigenarten aufzudecken, z. B.:
Warum sprechen griechische Frauen so laut, selbst wenn
sie telefonieren? Was ist der Zusammenhang zwischen
Schlager und Tragödie? Warum sind Türken (gast-)
freundlicher als Griechen? Warum bezeichnen Griechen
die Türken als Hunde der Amerikaner? Warum nutzen die
Hellenen dasselbe Wort für Gastfreund und Feind?
Obwohl Gerbode auf seinen Reisen mehr als geschäftig erscheint, findet er dennoch auch die Muße, für die FDP
eine unbewohnte griechische Insel zu finden, und er
wird damit Teil des großen europäischen Ganzen, das
die Finanzprobleme des hellenischen Staates löst.
Zwischendurch spielt Zwiischendurrch spiielltt derr Reiisende mit seiner Frau eine
Reiseversion von "Wer wird Millionär?" und stellt die
32000-Euro-Frage nach dem ersten Chefpiloten von
Olympic Airways, weist
ihr e An twor t -
"Tarpeius!" - als falsch
zurück - "Das ist der
mit dem Felsen." - und
nennt die einzig
richtige: „Der mit dem
Wachs zwischen den
Flügeln - Ikarus natürlich.“
- Rücksturz auf
500 Euro.
„„„Orrtte bedeutten an
siich weniig; man muss
siie siich durrch diie
Reiise verrrdiienen““, sagt
Ernle Bradford in
seinem Buch über Homers Reisen. Willi F. Gerbode verdient
sie sich, findet dabei auch noch Zeit, andere
Touris „in Licht zu malen“ (fotografieren), jungen
Chinesinnen und einer Südkoreanerin auf Rhodos als
Reiseführer zu dienen - und irgendwann begegnet er
sich auf seinen „Reisen in den eigenen Süden“ selbst.
Nun aber macht er sich mit seinem literarischen
Urlaubskabarett auf, dem Publikum in den Oasen der
deutschen Bildung, den Volkshochschulen und Bibliotheken,
den Süden nahe zu bringen - seinen sehr
eigenen.
Willi F. Gerbode
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