Vor dem Spiegel wird mir zum ersten Mal flau im Magen.
Immer wieder wurde ich in den vergangenen Tagen gefragt, ob ich aufgeregt sei, ob meiner Reise und der Tatsache, zum ersten Mal im Leben zu fliegen. Und immer wieder antwortete ich mit einem ehrlichen »Nö!«
Nun aber, wo der Zeitpunkt immer näher rückt, wächst das, was sie wohl meinten, mit der Aufregung ...
Und diese Aufregung paart sich mit dem Gefühl, meine Freundin zu vermissen und mit der typischen Unsicherheit bezüglich der Reise. Erwische ich den richtigen Zug? Verreiße ich irgendwas am Airport? Habe ich beim Online-Check-in alles richtig gemacht? Sind die Taschen nicht doch zu schwer? ... Ein Kauderwelsch aus Sätzen mit Fragezeichen am Ende ... und mir wird klar, dass ich freilich die letzten Tage aufgeregt war, dass ich jedoch dieses Gefühl gut verdrängen konnte, zumal ich ohnehin ein Mensch bin, der im Jetzt lebt und sich selten mit Gedanken beschäftigt, die sich im Morgen abspielen.
Georgien hat mir gezeigt, dass wir anders leben können,dass wir anders leben sollten, um wieder das zu werden,was wir waren: Menschen!Georgien hat mir gezeigt, dass wir das können unddass wir verstehen sollten, dass wireine Gemeinschaft sind, wir Menschen,dass wir einander und nur einander haben.Georgien hat mir einmal mehr gezeigt,dass ich mit MEINER Lebzeit lieber selbst anfange,was ich meine, damit anfangen zu müssen,denn sie ist das einzige Besitztum in unserem Sein.
»Lange Nächte in Tiflis« – ein Buch über das Reisen.Vor allem aber über das Ankommen.Bei den anderen und bei sich selbst.
MKruppe
Geboren 1978 in Pößneck, wuchs M.Kruppe in der ehemaligen DDR auf und lernte als Schüler recht schnell die Vorzüge des Schreibens kennen. Reden war nicht seine Sache, schon gar nicht reden über sich selbst und so schrieb er bereits als Kind lieber die Dinge auf, die er an- und auszusprechen sich nicht traute. Etwa zwanzigjährig begann er, das Schreiben als Berufung zu erkennen und verfasste zunächst Gedichte, bevor er begann, sein Leben in meist humoresken Kurzgeschichten aufzuschreiben, die nicht selten auch eine gesellschaftskritische Seite innehaben oder sich schlicht mit Reflexionen des eigenen Ichs und dessen Umwelt auseinandersetzen.