Bernardo Bertolucci dreht einen Buddha-Film, Richard Gere tritt als Vorreiter fernöstlicher Lehren auf, der Dalai Lama wird von Prominenten und Managern zum spirituellen Leader erkoren, die Esoterik inszeniert sich als nachkirchliche Religion, die New-Age-Welle hat mit ihrem „neuen Paradigma“ den etablierten Universitätsbetrieb erreicht und die alternative Heilkunst befindet sich in einem Boom ohne Gleichen. Was alle verbindet, ist die Sehnsucht nach einer „ganzheitlichen Sicht der Realität“ und einem „ganzheitlichen Menschenbild“. Der Autor charakterisiert die Weltanschauung jener spirituell- lebensphilosophischen Erneuerungsbewegung als Ideologie des neoliberalen Zeitgeistes. Er weist nach, daß die Idee der Ganzheit eine Fiktion ist, die den tragischen Urgrund des Lebens, die zynischen Abgründe der elektronischen Vernetzung und den Abbau der sozialen Errungenschaften durch den Prozeß der ökonomischen Globalisierung mit dem illusionären Optimismus von Selbstvervollkommnung, Erweckung und Glückseligkeit übertüncht. Ein Buch, das Mut macht, den falschen Propheten des Spiritualismus und Ökonomismus zu widersprechen und die Gebrochenheit menschlichen Seins solidarisch zu schultern.
Karl-Heinz Joepen, Jahrgang 1946, studierte an der Technischen Universität in Berlin und lebt dort als Wissenschaftsautor.
Wichtige Buchveröffentlichungen:
Umweltpolitik des kleinsten Widerstands (Neukirchener, 1987); Knechtschaft der Gewissensbisse Kritik der geltenden Sachlichkeit (VSA, 1992);
Die Psychofalle Über die Verdrängung der Wirklichkeit bei der Suche nach dem wahren Selbst (Rotbuch, 1997);
Rote Zelle Ashram Wall Street / Demonstrieren, Meditieren, Spekulieren. Von den 68ern zu den 86ern (Ulmer Manuskripte, 2003).
www.karl-heinz-joepen.de
Karl H Joepen
Esoterik Gesellschaftstheorie Ideologiekritik Kulturkritik Neue Religiosität