François Haby war es, der den Kaiser-Wilhelm-Bart kreierte. Der Berliner Promifriseur ließ 1901 seinen Salon von keinem Geringeren als dem berühmten Jugendstilkünstler Henry van de Velde gestalten. Zwei original erhaltene Herrenfrisierplätze stehen im Märkischen Museum. So elegant und schwungvoll, wie sie anmuten, erzählt dieses Buch von Bärten, ihrer Geschichte und vom Handwerk der Friseure.
'Donnerwetter tadellos!' soll Kaiser Wilhelm II. seinen Hoffriseur François Haby gelobt haben, als er ihm bei der morgendlichen Toilette im Berliner Schloss den hochgezwirbelten Bart frisiert hatte. So beschreibt es jedenfalls die Legende zum viel gerühmten 'Kaiser-Wilhelm-Bart'. Dieser wohlgeformte Schnurrbart galt
nicht nur als unverzichtbares Symbol für Männlichkeit, sondern aufgrund dessen, dass der Kaiser ihn trug, auch als politisches Statement. Das Frisieren der extravaganten Barttracht erforderte Haarwässerchen, Pomaden, spezielle Brennscheren, Kämme, Bürsten und für die Nacht eine formerhaltende Bartbinde. Die Erfindung, Herstellung und
geniale Vermarktung diverser Pflegeprodukte sowie gewagte Kreationen der Frisierkunst gehörten zur Geschäftsidee des prominenten Berliner Friseurs Haby. Ebenso berühmt war sein einzigartiger Salon nach Entwürfen des Jugendstilkünstlers Henry van de Velde im ehemaligen Dom-Hotel in der Mittel-/Ecke Friedrichstraße. Ein verloren gegangenes Stück aus dem Alten Berlin? Zum Glück sind einige Teile aus dem Friseurgeschäft in der Sammlung des Stadtmuseums erhalten geblieben und erlauben einen amüsanten Ausflug in die Berliner Gesellschaft der Kaiserzeit.
Elisabeth Bartel
geb. 1964 in Dresden
Studium für Museologie (FH)
seit 1983 am Märkischen Museum, jetzt Stiftung Stadtmuseum
1983 – 1990 in der Museumspädagogik tätig
seit 1990 im Fachbereich Kunstgewerbe tätig, verantwortlich für die Sammlungen Eisenkunstguss, Möbel, Schmuck, Varia und Friseurhandwerk
Mitarbeit an mehreren Ausstellungen zur Berliner Kulturgeschichte
2004 Kuratorin der Ausstellung „Berliner Eisen – Geschichte eines königlichen Unternehmens 1804 bis 1874“
2007 Kuratorin der Ausstellung „Eiserne Zeiten – ein Kapitel Berliner Industriegeschichte“
Publikationen zur Berliner Kulturgeschichte und zum Preußischen Eisenkunstguss
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