Es heißt Harold Flanders habe in einer Kleinstadt Eurstis, Florida, in ungeklärten Verhältnissen mit einer gewissen Cecilia gelebt und sei mit ihr bei einem Schiffsuntergang auf tragische Weise ums Leben gekommen; er soll 922 Seiten juveniler Schriften hinterlassen haben, die auf merkwürdige Weise nach Nordostchina gelangt sein. Verschiedene Herausgeber hätten sich des Manuskripts angenommen und versucht, es als "True Story" zu verkaufen. Doch als sein eigentlicher Autor firmiert nun Barto Smith, der auch unter dem Namen Tzimon Barto in den Konzertsälen der Welt zu Hause ist.
Ausführliche Auseinandersetzungen mit den Philosophien von Platon, Giordane Bruno, Kant, Hegel, Kierkegard, Adorno, Derrida sind ebenso in das Buch eingestreut wie zahlreiche Zeichnungen und Grafiken, in denen die Buchstaben tanzen und zu Bildern werden. Aber immerhin erfahren wir auch, was Harold tat, Absonderliches wahrlich: Aber vor allem werden wir entdecken, was Harold nicht tat: was er erwogen hatte zu tun und was er nie zu tun gedachte.
Durch eine Art negative Dialektik, durch den Mut zur Zerstörung und fliegende Perspektivenwechsel, lädt sich diese "Novel Novel" mit immer neuen Energien auf. Wie aber aus dieser Kette von Dekonstruktionen nicht bloß ein Scherbenhaufen entsteht, zeigt die Passage im Umfeld der Haargeschichten, die als Download (siehe oben) zur Verfügung steht. Aus der Negation dessen, was Harold sich vorstellen könnte, entwickelt sich hier eine notwendigerweise im Irrealis gehaltene Konfrontation der an "pièces montées" erinnernden Haartürme der Marie Antonette.
Das Werk Harold Flanders ist eine Satire der Satire, eine schonungslose Bloßstellung, die auch vor "heiligen Kühen" nicht zurückschreckt.
*Auszüge aus einer Inhaltsbeschreibung von Rainer G. Schmidt
Barto Smith