Das Theaterstück handelt vom Untergang eines Weltsystems, das in einem Rondell zwischen zwei Fenstern in den Orkus der Geschichte versinkt. B., ein Schriftsteller, der gerade in dieses Rondell eingezogen wird, bemerkt am gegenüberliegenden Fenster einen Mann, Arthur Nißky. Er war unter anderem ausgesucht worden, den vom stellvertretenden Minister befohlenen tschekistischen Befehl gegen B. für einen "Operativen Vorgang" auszuführen.
Anmerkung zur Quellentreue dieses Stückes. Zeit:
1978 bis 1994
I
Das Stück handelt vom Untergang eines Weltsystems, das in einem Rondell zwischen zwei Fenstern – lachhaft, grotesk – wie es mitunter zuging, in den Orkus der Geschichte versinkt.
II
B., ein Schriftsteller, der gerade in ein Rondell eingezogen ist, bemerkt am gegenüberliegenden Fenster einen Mann, den gehbehinderten Mathematiklehrer, Arthur Nißky. Er war u. a. ausgesucht worden, den vom stellvertretenden Minister befohlenen tschekistischen Befehl gegen B. (B / 18713) für einen „Operativen Vorgang“ auszuführen. Hat B. gerade deswegen die Wohnung vor der Nase von N. bekommen?
III
N. beginnt zu B. ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, um ihn noch umfangreicher und genauer beobachten zu können und über ihn Berichte zu schreiben mit dem Ziel, den „feindlich/negativen“ Mann durch Zersetzungsmaßnahmen „unschädlich“ zu machen. Aber B. durchschaut alsbald diese Absicht, distanziert sich dennoch nicht von N., füttert ihn unentwegt mit tragischen Geschehnissen in der Republik, über Leute, die wegen grober politischer Vergehen verhaftet worden waren und im Suizid endeten, oder solche, die sich als Werkzeuge des „Gegners“, wie es hieß, missbrauchen ließen. Dagegen denkt N. – wenngleich nicht ohne Humor, dennoch gewissenhaft ohne Gewissen – B. possiere ständig in oppsositären Zonen, tarne sich mit clownesker Gebärde und bereite einen Umbruch vor, wenngleich er nur etwas Unmittelbares mit verändern wollte und sich verantwortlich fühlte für die größtmögliche Art von machbarer Demokratie …
IV
1989 war B. beteiligt an den Ereignissen der „Friedlichen Revolution“, auch als das erste Mal in der Welt eine Geheimdienstzentrale in der Nacht vom 4./5. Dez. ’89 besetzt und versiegelt wurde (das Berliner Ministerium hatte in Leipzig 2041 Mitarbeiter); gleichzeitig ein historisch seltener Vorgang, dass nach einem Systemwechsel die teilweise abgründig/abstrusen Undurchdringlichkeiten des vorherigen Systems gelichtet wurden. Nur bei Verdacht von Menschenrechtsverletzungen unter Aufsicht der Justiz … Sie frei gefördert, die Akten, rekeln sie sich nun unter unseren Augen, beziffert bei den neuen Diensten. Als gutes, als schlechtes Gedächtnis?
R. B., Leipzig im Februar 2009
Reinhard Bernhof
DDR Geschichte Stasispitzel Theaterstück Wendezeit