Thema seiner Erzählungen, die häufig im Berliner Raum spielen, sind die Sehnsucht der Menschen nach Harmonie und Verständigung. An einer Reihe von Gestalten schildert er mitunter beklemmend, doch immer mit heiterem Grundton, wie sie einerseits ihre kleinen Freiräume nutzen, und andererseits der geistigen Enge der ummauerten Gesellschaft zu entfliehen suchen. Unter ihnen die Frau, deren Zug auf einer Westreise ins Bundesgebiet unvorhergesehen lange auf dem Bahnhof Zoologischer Garten hält, und sie in Gewissenskonflikte zu ihrem DDR-Visum bringt, als sie für einige Rundblicke das Bahnhofsgelände verlässt; der Schriftsteller, der davon träumt, unabhängig zu leben, in dem er nachts als Flügelpferd auf den Wiesen weidet; oder der Vater, der darunter leidet, dass sein Sohn in den Westen will, ihm aber bei der Flucht behilflich ist. Leverenz zeigt sie
in alltäglichen, deshalb treffenden Situationen.
Fritz Leverenz