„… eine für die weitere Forschung unentbehrliche Verarbeitung des vorhandenen Materials …“
„Götzendienst und Zauberwesen bei den alten Hebräern und den benachbarten Völkern“ ist ein Kompendium an Gelehrsamkeit, Quellenkunde und differenzierten Belegstellen. Paul Scholz arbeitet den Ursprung und die Ursachen des Götzendienstes heraus, geht auf Bilder und Tempel der Götter ein, auf die einzelnen Formen der Gottesverehrung bis hin zu Zauberei und Weissagekunst. Er untersucht die göttliche Verehrung der Tiere im Altertum und detailliert all die Einzelgestalten des eigentlichen Götzendienstes (Baal, Chamos, Moloch, Astarte uvm.). Scholz zeigt, dass die Scheidung von Monotheismus und Polytheismus den Interpreten der alttestamentlichen Lehren zwar ein Grundanliegen war, stellt aber zahlreiche ihrer Argumente bereits infrage. Dass er dank seiner Sprachen- und Quellenkenntnis auch historisch höchst aktuelle Schlussfolgerungen vorwegnahm, deklariert ihn als modernen Forscher. Ihm geht es prinzipiell um das Aufzeigen von Gemeinsamkeiten zwischen "heidnischen" und "alttestamentarischen" Ansichten. Die ausgewogene Sichtweise auf das komplexe Thema ist eine weitere Besonderheit dieses Vorläufers der modernen Religionswissenschaft. Und es fügt sich sehr leserfreundlich, dass Paul Scholz Quellen und Erzählen eng verflochten hält.
Die Gottesverehrung der alten Hebräer unterschied sich – wohl bedingt durch die zahlreichen Exile – wesentlich zu anderen Völkern. Nichtsemitische Völker verehrten einen Gott in der Regel solange, wie er das Volk beschützte. War das nicht mehr zufriedenstellend der Fall, dann ersetzte man ihn durch einen neuen. Bei den Israeliten war durch all die Wanderungen auf der Suche nach Bleibe keine so enge Einheit von Land und Volk möglich. Um zu verhindern, dass die Eigenart der Juden vollkommen in den Vielvölkergemischen unterginge, betonten die jüdischen Theologen und Gelehrten die Besonderheit des Judentums und stellten die Tora in den Mittelpunkt ihres Lebens und des jüdischen Glaubens. Dass damit auch dem reichhaltigen Götzentum und Zauberwesen offiziell eine Absage erteilt war, ist naheliegend. Offiziell, denn im Volk ließ sich dieser Umstand natürlich nicht so einfach ausmerzen. Und so zeigt dieses an Beispielen und Quellen prall gefüllte Werk von Paul Scholz einen Fundus an Gemeinsamkeiten zwischen den "heidnischen" und den "alttestamenarischen" bzw. mosaischen Ansichten. Der Fokus liegt auf den komplexen Inhalten, die im Götzendienst eingeschrieben sind, und die durch die ausgewogene und wertfreie Untersuchung des Autors anschaulich in ihrer "Zauberhaftigkeit" ans Licht kommen.
Paul Scholz
Paul Scholz (1828–1900) war Professor für alttestamentliche Exegese und semitische Sprachen der katholisch-theologischen Fakultät Breslau. Außerdem wurde er 1852 zum Priester geweiht. Beim vorliegenden Werk geht es ihm um das Verstehen bzw. das Verständnis der israelitischen Religionsgeschichte und des Götzendienstes und Zauberwesens der alten Hebräer. Er erforschte den Einfluss der vorderasiatischen Völker auf die religiösen Verhältnisse in Palästina, indem er die ihm damals vorliegenden Quellen des Altertums bis hin zu den ägyptischen und assyrischen Schriften studierte. Damit durchdringt und offenlegt er komplexe Inhalte, die im Götzendienst eingeschrieben sind. Eine unsachliche oder wertende Position ist nicht im Sinne des Autors. Vielmehr geht es ihm um ausgewogene Sichtweisen. Ein Ansatz, der ihn als modernen Forscher deklariert.
Adrammelech und Anammelech Astarte Atargatis Baal Kulte Bama Kult Bel Chamos Dagon Dagon Der Stierdienst Die eherne Schlange Dr. Paul Scholz Ephod und Jehovabild Eselskult Gad und Meni