DER RUF POSEIDONS/
Wir weiden auf seinen grünen Koppeln
und verirren uns auf unendlich saftigen Auen,
haben das Wissen um die Fülle des Lebens begriffen,
das bedingt ist durch den Willen zur Liebe -
gegenüber allem. Es beinhaltet die Flüchtigkeit
menschlichen Glücks, das den weichenden Morgen-
nebeln im sterbenden Jahr gleicht./
Dieses Wissen versperrt uns den Weg zurück
in die Schrebergärten des ehelichen Beischlafs,
das Labyrinth der jungen Jahre, weil wir - mit
zunehmender Reife - erkennen, daß es eine
Fähigkeit ist und keine Schwäche, sich in
einer Leidenschaft zu verlieren.
Denn tief in uns allen wohnt ein Funke jener
Unsterblichkeit, die Männer zu Kindern werden
läßt und die Gefährdeten und Gestrandeten zu
Wanderern zwischen den Welten, die wahren
Frauen aber macht sie zu Göttinnen der Liebe,
deren Ausschließlichkeit der Liebe gilt, nicht
einem einzelnen Mann.
Carola Bräuner
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