Eine Geschichte aus einem Guss, rasant erzählt, schnell zu lesen – und doch sollte dieser 86-Seiten-Roman langsam erschlossen werden. Warum? Weil der Leser sonst Gefahr läuft, manches Kleinod zu überlesen, über manches der vielen Details hinwegzustolpern, weil er der Spannung im Buch nachrennt, weil er zur Auflösung kommen möchte.
Rainer Wedler
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... Eine Geschichte aus einem Guss, rasant erzählt, schnell zu lesen – und doch sollte dieser 86-Seiten-Roman langsam erschlossen werden. Warum? Weil der Leser sonst Gefahr läuft, manches Kleinod zu überlesen, über manches der vielen Details hinwegzustolpern, weil er der Spannung im Buch nachrennt, weil er zur Auflösung kommen möchte.
Der Roman hat es in mehrerlei Hinsicht in sich. Das Thema: Flucht aufs Schiff des 17jährigen als Schiffsjunge – ein Thema für große Abenteuergeschichten; der zufällige Anlandeort Algier mitten im Ablösungskrieg von Frankreich Anfang der 60er Jahre: hier kommen die für einen Erzähler reichen Möglichkeiten der Beschreibung von Ausnahmesituationen zusammen mit der Faszination Orient. Der Erzählstil: Wedler verwendet eine exzellente Mischung aus temporeichem Erzählen, aus Wechseln zwischen Außen- und Innensichten, aus Umgangsjargon und literarischer Sprache – das alles macht das Lesen interessant, nie, nicht einen Augenblick langweilig, der Leser wird förmlich mitgerissen. Der Spannungsbogen: dieser ist über den ganzen Roman hinweg für den Leser nachvollziehbar, und dennoch fein konstruiert – so, dass der Bogen über die gut 80 Seiten „hält“, konstruktionssicher gestützt mit immer wieder unmerklichen dramatischen Zwischensequenzen, die aber stringent weiterführen. Und das Ende schließlich, des Romans: eine „gute“ Auflösung, die aber wieder auch nicht nur gut ist, sondern Überraschung beinhaltet. Höchste Dramatik bis zum Schluss ... Uli Rothfuss (Virtuellen Kulturregion - Buchtipps der Woche, August 2006)
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