Günter Spitzing Spitzing JESUS den sie Christus nennen

JESUS den sie Christus nennen

von Günter Spitzing

Jesulogie der Befreiung

EUR 26,00

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Beschreibung

Religion, sowohl als Mittel der Sinngebung als auch der menschlichen Reifung, ist heute eine eminent wichtiges, aber auch äußert umstrittenes Thema. Einerseits ist da ein - vielfach ungestilltes - Bedürfnis nach religiöser Gemeinschaft, ebenso wie nach religiöser Innerlichkeit, andererseits aber auch eine lebhafte zur Zeit in lauten Protest übergehende Kritik an kirchlichen Hierarchien - an den Religionsfunktionären, wie der Autor sie nennt. Nicht nur im politischen Bereich beginnt „das Volk“ auf die Barrikaden zu gehen. Auch „das Volk“ in den Kirchen und anderen Glaubensgemeinschaften vertritt mittlerweile den Standpunkt, dass überkommene aus feudaler Zeit stammende hierarchische Strukturen einen Fremdkörper in einer demokratischen Gesellschaft darstellen und fordert energisch substanzielle Änderungen. Gewissenszwang und Unterdrückung sollen endlich aufhören. Dafür stehen etwa die katholisch-ökumenische Initiative „Wir sind Kirche“, aber auch innerkirchliche evangelische stark ökologisch bewegte Gruppierungen. Das ist der Rahmen innerhalb dessen Günter Spitzing mit seinem Buch Orientierung liefern möchte. Er hält sich keineswegs mit Kritik, mitunter polemisch gewürzt, zurück, bietet aber letztendlich eine durchaus positive, ja geradezu optimistische Sicht der Dinge – unter der Voraussetzung, dass auch tatsächlich erhebliche Veränderungen in Angriff genommen werden. Der Aufbau des Buches: + Vorwort: Über Nähe und Distanz + Hauptteil I: JESUS + Hauptteil II: Christus + Exkurs: Hinduismus und Christentum + Glossar: Reichhaltiges Stichwortverzeichnis. Spitzing will den eigentlichen Jesus aus den Berichten der Evangelien herausfiltern: Jesus hat sich ebenso bedingungslos wie gottgewollt auf die Seite der Unterlegenen und Unterdrückten geschlagen – nicht zuletzt auch auf die Seite der Frauen. Er will die Ausgebeuteten befreien – auch von dem sie überwältigenden und zerstörenden Gefühl der Schuld, das ihnen die Herrschenden einzutrichtern nicht müde werden. Jesus drängt auf Veränderungen, die dann eintreten, wenn man das Himmelreich, das er verkündet begriffen hat und davon ergriffen worden ist. Der Christus dagegen hat mit dem wirklichen Jesus wenig zu tun. Er ist eine mythische von den frühesten Anhängern entworfene Gestalt, die dann später von den Dogmen der Kirchen „verhistorisiert“ wurde. Und dies für wahr zu halten wurde auch noch als heilsnotwendig deklariert. Wer den ersten Teil des Buches gründlich studiert hat, müsst eigentlich erwarten, dass der Autor den Christus total verwirft. Das weist Günter Spitzing jedoch vehement von sich: Christus kann für das eigene Seelenleben sehr wohl außer-ordentlich bedeutungsvoll werden, wenn man ihn seiner Geschichtlichkeit (die nur Jesus zukommt) entkleidet und als das anerkennt, was er ist – eine mythische Gestalt. In diesem Zusammenhang stellt der Autor – er hat ein Studium der Orientalistik, Religionswissenschaft und Ethnologie absolviert – ebenso interessante, wie ungewöhnliche Thesen über die gegenseitige Beziehung von Gottvertrauen, Gotteserscheinungen und innerer Wirklichkeit vor. Seine wahrnehmungs-psychologischen Anmerkungen können die Diskussion rundum Theologie und Religion durchaus um eine stattliche Reihe bisher unbeachteter Gesichtspunkte bereichern. Er weitet das Thema insofern aus, als er sich anhand von Beispielen aus Indonesien, Indien und von den Aborigins Australiens dafür ausspricht, in Kultur- und Religionswissenschaft die unterschiedlichen Wahrnehmungsweisen in den verschiedenen Kulturen stärker zu berücksichtigen, als das bisher geschieht. Dass aus dem Buch ein lebhaftes Interesse für andere Kulturen und Religionen und darüber hinaus ein interreligiöser Ansatz abzulesen ist, mag angesichts der Erfahrungen die der Autor vor allem in Indonesien und Indien, aber auch anderen Ortes sammeln konnte, nicht weiter verwundern. Zentrale im Buch vertretene Anliegen sind: + Die Gestalt Jesus soll für den Menschen von heute zugänglich werde. Jesus kann so etwas wie ein Kristallisationskern für die Entwicklung menschenwürdiger Umstände für alle auf dieser Erde werden. + Die Bedeutung, die auch heute und gerade heute Mythen für den einseitig rational denkenden Menschen haben, wird herausgestellt. + Der Glaube an als historisch ausgegebene Ereignisse, soll durch Vertrauen auf Gott abgelöst werden. Gottvertrauen ersetzt Dogmatikgläubigkeit. + Die Bedeutung der innerweltlichen Wirklichkeit wird erläutert und gewürdigt. + Die Bedeutung der Frauen für die Entstehung der frühen Gemeinden und die Verbreitung des Vertrauens auf Jesus wird betont. Dies könnte durchaus als Argument gegen frauenfeindliche Tendenzen gerade auch bei sogenannten „christlichen“ Fundamentalisten benutzt werden. + Die Entstehung der Evangelien wird neu gesehen – auch im Hinblick auf die Veröffentlichungen des Paulus, die ihnen vorausgegangen waren. Ein Problem, das der Autor sieht, unter dem er leidet, aber für das er keine entgültigen Lösungsansätze geben kann, ist die Aktivität der Fundamentalisten – vor allem derer mit christlichem und dann auch mit islamischen Hintergrund. Ein Vorzug der Sichtweise von Spitzing ist, dass er jede autoritative Haltung ablehnt. Das betrifft auch seine eigene Meinung, die er keinesfalls als verpflichtende Gewissheit verstanden wissen will. Er will dem Leser in die Lage versetzten sich eigenständig Pfade durch die Welt zu bahnen, aber gleichzeitig ermuntern auch mit Ungewissheiten zu leben und sich auf Überraschungen zu freuen. Es kommt nicht darauf an zu sagen, wo es lang geht. Es geht darum die Menschen zu ermuntern und in die Lage zu versetzen selbstständig ihren eigenen Pfad zu finden- und sowohl Jesus, als auch Christus können dabei auf neue Weise wegweisend sein.

Autor*in

Günter Spitzing

Themen in »JESUS den sie Christus nennen«

Ethnologie Hinduismus Kirche von unten Kritische Christen Mystik Religion Wahrnehmungspsychologie interreligiös

Stimmen zu »JESUS den sie Christus nennen«

Details

ISBN: 9783935553179
Verlag: asu poleng
Erscheinung: 15.11.2010

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