„Wahnsinn!“ – das wurde das Wort der Stunde, als die Nachricht von der Öffnung der Berliner Mauer am
9. November 89 die Runde machte.
Etwas von der Euphorie jener aufregenden Monate wird in den vorliegenden Texten festgehalten, umgeben von nachdenklichen, sehr persönlichen Bilanzen über die Jahre davor und danach, die unterschiedlicher nicht sein können: Für den einen bedeutet die DDR Erinnerung an ein sinnerfülltes Leben, für den anderen die seit Kindheitstagen erlittene Begrenzung freier Meinungsäußerung, für die einen bringt der Mauerfall unverhofftes Glück, anderen schieben sich die Schattenseiten der Wiedervereinigung in den Vordergrund. Jeder gibt ein Stück von sich preis und kann gerade dadurch überzeugen.
So entsteht aus individuellen Lebensgeschichten ein lebendiges, facettenreiches Bild eines wichtigen Abschnitts deutscher Geschichte.
Wie ein engagierter Sozialarbeiter aus Berlin-Kreuzberg Bürgermeister von Schöneiche wird.
Wie eine tot geglaubte Liebe nach dem Mauerfall eine Auferstehung erlebt.
Wie die (der) Arbeitslose sich dem aufgezwungenen beruflichen Nichtstun widersetzt.
Wie eine Christin aus der „Nische“ der Kirche in die „Mitte“ der Gesellschaft gelangt.
Wie ein Ehepaar Hals über Kopf Haus und Garten verlassen muss und sich in eine Sozialwohnung rettet.
Wie eine Näherin blauäugig und ahnungslos in die Selbstständigkeit startet und sogar Erfolg hat.
Wie der Geburtstagstrauß für den Parteisekretär eines Ostberliner Betriebes auf den Tisch einer Wohnung in Berlin-Reinickendorf gelangt.
23 Autoren unserer Region, einer von ihnen Heinrich Jüttner (Bürgermeister in Schöneiche bei Berlin), erzählen ihre ganz persönliche Geschichte über die bewegten Monate des Herbstes 89, den Mauerfall und die Jahre danach.
Man begegnet unterschiedlichsten Erfahrungen und Gefühlen von Jung und Alt, mal heiter, mal traurig, nachdenklich bilanzierend oder kritisch hinterfragend. Von neuen Möglichkeiten ist die Rede und von bislang ungekannten Herausforderungen wie Arbeitslosigkeit, Enttäuschungen, vertane Gelegenheiten, aber auch von neuen Hoffnungen, Freiheiten und Chancen.
Keiner lässt sich unterkriegen, man muss was tun!, heißt die Maxime, die dem Leser überzeugend und anrührend nahegebracht wird.
Margot Gerisch
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