Den insgesamt begrenzten Ressourcen des deutschen Gesundheitssystems stehen weiter steigende Bedürfnisse der Leistungsempfänger gegenüber. Es stellt sich deshalb die Frage, was geschieht, wenn die Leistungsbedürfnisse die vorhandenen Ressourcen trotz Ausschöpfung aller verfügbaren Reserven übersteigen?
In diesem Fall könnte tatsächlich die Einführung leistungssteuernder Maßnahmen erforderlich werden. Im Gegensatz zu einer rein ökonomisch motivierten Rationierung würde die Priorisierung medizinischer Leistungen die zusätzliche Chance eröffnen, auch dem Aspekt der medizinischen Bedarfsgerechtigkeit Rechnung zu tragen. Fairness, Solidarität und Subsidiarität als konsentierte Konstruktionsprinzipien des deutschen Gesundheitssystems könnten auch weiterhin die medizinischen Versorgungsprozesse bestimmen.
Trotz der offensichtlichen Vorteile, welche die Priorisierung medizinischer Leistungen gegenüber der Rationierung bietet, ist ihre Einführung nicht unumstritten.
In der vorliegenden Publikation werden mögliche Instrumente der medizinischen Leistungssteuerung, das Beispiel skandinavischer und anderer Gesundheitssysteme, die Priorisierung ausgewählter medizinischer Leistungen sowie Argumente für und gegen eine Priorisierung im Gesundheitswesen behandelt. Angesprochen sind alle an der Fortentwicklung eines fairen Gesundheitssystems Interessierten, insbesondere die Verantwortlichen in Gesundheitspolitik, Krankenkassen und Verbänden sowie Mediziner und Gesundheitsökonomen.
Rolf Glazinski
Priorisierung Gesundheitswesen Bedarfsgerechtigkeit Ressourcenallokation Gesundheitsökonomie