Der systemtheoretische Inklusionsbegriff macht die Sozialdimension der Gesellschaft neben der Sach- und der Zeitdimension mit Nachdruck zum Thema - ein Nachdruck, der in der soziologischen Systemtheorie oft und mit einigem Recht vermißt wird. Er bezeichnet das Problem, wie eine durch rigide Temporalisierung sachlich hochfungibel differenzierte Gesellschaft Personen berücksichtigen kann, die sich weder dieser zeitlichen noch der sachlichen Rigidität beugen. Durch Rückgriff auf Freiheit, Emanzipation, Individualität kann das nicht hinreichend erklärt werden, obwohl diese Metaphern das Inklusionsproblem sehr gut beschreiben - sie liegen aber auf der Außenseite dieses Begriffs, und sie bilden dergestalt seine Effekte oder genauer: seine Folgeprobleme. Persönliche Ungebundenheit, Freiheit, Individualität, Menschheit sind, so verstanden, die Kehrseite sozialer Differenzierung, hoch generalisierte soziale Zugeständnisse auf der anderen Seite gleichzeitig hoch selektiver Inanspruchnahmen - und zwar Inanspruchnahmen immer auch durch Beobachter, die die zugestandene Freiheit zur Herstellung strikter Bindungen nutzen.
Das heißt: was wir über die Differenzierung der Gesellschaft in sachlich-zeitlicher Hinsicht auch immer wissen: es wird sich am Inklusionsproblem bewähren müssen.
Der Text versucht sich dem am Beispiel des Religionssystems in dessen christlich-evangelischen Variante zu nähern. Siehe auch http://www.humanities-online.de
Maren Lehmann
Gesellschaft Inklusion Religion Soziales System