IMAGINATION TRANSFERS
the stories of 18 paintings/ documentation of a process of imagination in form of photgraphs, letters, postcards, nomadic installations
2006-2008
The idea of IMAGINATION TRANSFERS was to link two persons from different continents through their imagination. On the
streets in China and Europe I asked people I met by chance to imagine a painting. Each order for a painting I sent then to the
other hemisphere – from China to Europe or from Europe to China – to have the painting realised over there. Finally the
paintings were sent to the ordering persons and the cloths with the written imaginations to the painters. In this way
18 paintings have been created, each one with its very special story and journey. The collected documentation of the whole
process was material for different installation and is gathered in a book.
Werfe eine Vorstellung in den Fahrtwind.
Vielleicht landet sie in China.
Diese Aufforderung ist ein Gedankenexperiment. In ihrer Kindheit verfasste
Bignia Wehrli in Fantasieschrift Briefe, die sie während der Autofahrt aus dem
Fenster warf, auf dass sie eines Tages, vom Wind getragen, in China ankämen.
Als die Künstlerin dann 2006 während ihres DAAD-Stipendiums in eben jenem
Land nach Tibet reiste, sollte sie das Phänomen Distanz während einer Busfahrt
physisch erfahren. In Folge dachte sich Wehrli ein neues Spiel aus, um
sowohl geographische als auch kulturelle Entfernungen zu überwinden,
Verbindungen zu kreieren und ein Netz von Beziehungspunkten über die Welt
zu spannen.
Die Spielregeln von »Imagination Transfers« waren folgende: Einer stellt sich
ein Bild vor und beschreibt es mit Worten. Ein Anderer bekommt die Beschreibung
zugesandt und übersetzt sie in ein real existierendes Kunstwerk,
welches an den Auftraggeber zurückgeht. So initiierte die ehemalige HfBKAbsolventin
einen fortlaufenden Austausch von Imaginationen zwischen
Europa und China, in dem auch die Stadt Dresden eine besondere Rolle
einnimmt. Der Transfer machte Wehrli selbst zur analogen Schnittstelle zwischen
zwei Kontinenten und leitete unwahrscheinliche Begegnungen zwischen
Künstlern und Passanten in die Wege. Diese Begegnungen spielten sich zwar
lediglich in der Vorstellung zweier Menschen ab, lösten jedoch zugleich einen
Tauschhandel zwischen vorgestellten und realisierten Bildern aus.
Es entstanden 18 Imaginationen, 14 davon wurden in Bilder übersetzt. Doch
genauso wichtig wie die Produkte des Transfers sind die dokumentierten
Reisespuren und Korrespondenzen, anhand derer Prozesse und Stationen,
aber auch Stockungen in der Umsetzung des Projektes sichtbar und die
zurückgelegten Distanzen und Zeiträume wahrnehmbar werden. Im Rahmen
des temporären Ateliers arbeitete Bignia Wehrli diese heraus und präsentiert
sie erstmalig in Form eines Buchentwurfs sowie einer Postkartenedition.
Ergänzend wird sie in einer Lesung am 26. September 2015 Einblicke in das
Erlebte gewähren. © Katja Dannowski
Bignia Wehrli
http://www.bigniawehrli.de/index.php?/about-me/