Die geistliche Musik Südamerikas aus der Zeit der Renaissance und des Barock ist in Europa eigentlich unbekannt und findet selten den Weg auf die Konzertbühnen der Alten Welt. Die Verschmelzung indianischer Tradition mit der weihnachtlichen Chormusik spanischer und portugiesischer Liturgie ist der thematische und musikalische Inhalt dieser Aufführung. Es ist bemerkenswert, wie sehr sich traditionelle, in diesem Fall weihnachtliche Kirchenmusik aus Europa durch den Einfluss der lokalen Gegebenheiten in den Kolonien verändert hat. Die Missionare waren aufgrund ihrer weitgehend indianischen Gemeinden gezwungen, das traditionelle Liedgut ihrer spanischen und portugiesischen Heimat an die einheimischen musikalischen Voraussetzungen anzupassen. Sie haben somit die Basis für die Entwicklung der südamerikanischen Kirchen- und Volksmusik, wie wir sie kennen, geschaffen. Zur Edition:
Das im Jahre 1147 von Zisterziensermönchen gegründete Kloster gilt als die einzige, vollständig erhaltene mittelalterliche Anlage nördlich der Alpen. 1994 wurde es als 13. deutsches Bauwerk in die UNESCO-Liste „Weltkulturerbe der Menschheit“ aufgenommen und befindet sich damit in der illustren Gesellschaft solch bedeutender Baudenkmäler wie der ägyptischen Pyramiden oder dem Tadsch Mahal. Seit 1968 werden die international renommierten Klosterkonzerte ausgerichtet. Die Aufführungen finden in der einmaligen Atmosphäre der historischen Räume des Klosters (Klosterkirche, Laienrefektorium, Kreuzganggarten) statt. In den von romantischem Kerzenlicht erhellten Gewölben werden jährlich ca. 25 Konzerte aufgeführt. Eine Auswahl der schönsten Werke geistlicher und weltlicher Musik veröffentlichen wir innerhalb unserer Edition.
„Was macht die Atmosphäre Europas so eindringlich? Wodurch lässt sich das europäische Erbe definieren? Wo sind die Wurzeln europäischer Kultur zu finden? Im Rahmen unserer Dokumentationsreihe Edition Kloster Maulbronn gehen wir diesen Fragen nach und dokumentieren in Live-Mitschnitten die grossen Werke europäischer Musik an einer der wohl authentischsten Stätten diesseits der Alpen. Die akustisch und architektonisch vollendete Schönheit der Aufführungsstätte sowie die exquisite musikalische Aufführung der Werke habe ich am eigenen Leib erfahren - das hat mich tief beeindruckt. Ein Verleger kann wohl nicht anders, als dem Bestreben zu folgen, diese kulturellen Werte für die Nachwelt festzuhalten.“ (Josef-Stefan Kindler)
Das argentinische Ensemble Grupo Canto Coral (GCC) ist eine Institution die sich mit ganzer Seele der Chormusik, der Wiederentdeckung und dem Erhalt der mittlerweile fast verschollenen Kompositionen widmet. Die GCC gliedert sich in den Kammerchor, einen Jugendchor, einen Kinderchor und einen Notenverlag. Neben diesen Schwerpunkten widmet sich Andrenacci der Organisation von Seminaren und Meisterkursen für Chorleiter, zu denen international anerkannte Fachleute eingeladen werden. Diese Arbeit ist wichtiger Beitrag für die Entwicklung der Chormusik in Argentinien. Seit der Gründung im Jahr 1973 führte der Kammerchor zahllose Werke aus den unterschiedlichsten Epochen auf, einschliesslich zeitgenössischer Kompositionen. Der Chor war in allen bedeutenden Konzertsälen Argentiniens zu Gast und beteiligt sich seit 1987 an der alljährlichen Konzertreihe der Buenos Aires Bach Academy. Viele Tourneen führen diesen wohl besten argentinischen Chor häufig nach Europa und Nordamerika. 1993 wurde GCC von der Int. Föderation für Chormusik (IFCM) eingeladen, Südamerika beim 3. Weltsymposium für Chormusik in Vancouver/Kanada zu repräsentieren.
Néstor Andrenacci studierte Chorleitung bei Antonio Russo und Komposition bei Francisco Kröpfl. Er gründete und leitet die GCC und zahlreiche weitere Chöre, unter ihnen das Chamber Vocal Ensemble of the Municipality of Quilmes und den Chor des Art Institute des Colon Theatre Buenos Aires. Néstor Andrenacci ist Professor für Chorleitung an der School of Musical Arts and Sciences der Katholischen Universität Argentiniens und ein unermüdlicher Streiter für die Chormusik. Er ist gefragter Juror internationaler Wettbewerbe.
Gaspar Fernandes