Vorwort des Landrats Dr. Karl Schneider
Das Sauerland-Museum des Hochsauerlandkreises zeigt in Zusammenarbeit mit dem Franz-Stock-Komitee für Deutschland mit der Sonderausstellung „Franz Stock und der Weg nach Europa“ das Lebenswerk des aus dem Sauerland stammenden Priesters. Durch die Einbettung in den historischen Gesamtkontext wird Stocks Bedeutung für die deutsch-französische Aussöhnung herausgestellt und deutlich, dass diese angesichts des zunehmenden zeitlichen Abstands nicht in Vergessenheit geraten darf.
Die Geschichte Frankreichs und Deutschlands ist gekennzeichnet durch Spannungen und kriegerische Auseinandersetzungen. Diese haben das gegenseitige Verhältnis seit der Teilung des Reiches Karls des Großen im Jahre 843 durch den Vertrag von Verdun immer wieder schwer belastet. Die Tiefpunkte in den Beziehungen beider Völker waren die beiden Weltkriege mit ihren Millionen Toten und dem unbeschreiblichen Leid für die Menschen auf beiden Seiten. Die brutalen Kämpfe um Verdun im Jahre 1916 mit über 700 000 Toten stehen als Symbol für die Sinnlosigkeit des Krieges und dienen Franzosen und Deutschen gleichsam vor der Welt als Zeichen für die geglückte Aussöhnung.
In der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte war der katholische Priester Franz Stock während der deutschen Besatzung von 1940 bis 1944 Seelsorger in den Pariser Gefängnissen. Im Sinne seiner Friedensideale hat er den Gefangenen der Gestapo moralisch und physisch beigestanden und die zum Tode Verurteilten bis zu ihrer Hinrichtung an den Erschießungspfählen auf dem Mont Valérien begleitet. Für viele Franzosen ist Franz Stock ein überzeugendes Beispiel dafür, dass sich nicht alle Deutschen dem verbrecherischen System des Nationalsozialismus angeschlossen hatten und sich stattdessen aus christlicher Überzeugung und Nächstenliebe für Menschlichkeit und Versöhnung eingesetzt haben. Dies gilt insbesondere für die Überlebenden der Pariser Gefängnisse und die Familien der Hingerichteten.
Stocks unermüdlicher Einsatz für die Verständigung zwischen Franzosen und Deutschen wird untermauert durch sein Wirken als Leiter des Priesterseminars für kriegsgefangene deutsche Theologiestudenten im sogenannten Stacheldrahtseminar von Chartres in den Jahren 1945 bis 1947.
Franz Stock hat ein festes Fundament der Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland geschaffen, sein Wirken ist als Grundpfeiler des zusammenwachsenden Europas zu bewerten. Er hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich das Verhältnis zwischen Franzosen und Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg vom „Erbfeind“ zum „Duzfreund“ wandelte und der Gedanke eines politisch vereinten Europas Gestalt annahm.
Ich hoffe, dass viele Menschen die Ausstellung besuchen werden, sich mit dem Lebenswerk dieses großen Sohnes des Sauerlandes auseinandersetzen und hierdurch sein Wirken dauerhaft würdigen.
Dr. Karl Schneider
Landrat des Hochsauerlandkreises
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