Kirsten Burghardt Burghardt Werk, Skandal, Exempel

Werk, Skandal, Exempel

von Kirsten Burghardt

Tabudurchbrechung durch fiktionale Modelle: Willi Forsts "Die Sünderin" (BR Deutschland, 1951)

EUR 44,00

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Beschreibung

Als kollektives Erkenntnismedium für moralisch-ethische Anschauungen provoziert ein Film immer dann, wenn er mit den Denkkonventionen, Wertorientierungen und Normvorstellungen kollidiert, auf denen der gesellschaftliche Konsens beruht. Entfaltet wird das Provokations- und Tabupotential jedoch erst im Rezeptionsakt, durch einen allzu stark an vorherrschenden Normen orientierten Rezipienten, der sich dem zeitgeschichtlichen Normenwandel von soziokulturellen Lebensanschauungen verweigert. DIE SÜNDERIN ist für dieses Thema prädestiniert, verkörpert dieser Film doch eines der wenigen repräsentativen Beispiele für Fehlrezeptionen. Als der Film 1951 in die Kinos kam, schockierte und mobilisierte er die ganze Öffentlichkeit. Mit seinen tabudurchbrechenden fiktionalen Modellen ‚wilde Ehe’, ‚Prostitution’, ‚Selbstmord’ und ‚Sterbehilfe’ rüttelte dieses Werk an Tabus, die die in ihrer Moralbasis geschwächte Nachkriegsgesellschaft gerade wieder zu stabilisieren suchte. So ist DIE SÜNDERIN auch ein Beispiel dafür, dass sich der Film als Kunstwerk immer wieder von den Fesseln eines seit jeher bestehenden Trivialverständnisses als ‚Massenmedium’ befreien und um die Anerkennung seines Kunstpotentials und seiner künstlerischen Legitimation kämpfen muss. Die vorliegende Studie bietet neben der Rekonstruktion des Skandals eine umfassende Werkanalyse unter besonderer Berücksichtigung der Funktionen seiner fiktionalen Konfliktlösungsmodelle. DIE SÜNDERIN wird im Kontext der zeitgenössischen Rezeptionsperspektive, der Gerichtsurteile, der Traditionslinie des Motivs ‚Sterbehilfe’ und des Themas der moralischen Wiederaufrüstung in der deutschen Nachkriegsfilmproduktion sowie im Kontext der Zensur untersucht. Im Vergleich der filminternen Diskurs- und Bewertungsstrategien mit den Auswertungsergebnissen des Rezeptionsmaterials wird eine umfassende Rekonstruktion des Werks und seines ‚Skandals’ als filmhistorisches Exemplum vorgelegt.

Autor*in

Kirsten Burghardt

Themen in »Werk, Skandal, Exempel«

Film Forst, Willi Knef, Hildegard Tabu Zensur

Stimmen zu »Werk, Skandal, Exempel«

Details

ISBN: 9783926372611
Verlag: diskurs film
Erscheinung: 1996

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