Der Ausdruck „Seele des Primitiven“ gehört zur Begriffsgeschichte der europäischen Ethnologie – und trägt zugleich die Spuren eines problematischen Blicks auf andere Kulturen. In der wissenschaftlichen Beschreibung fremder Weltanschauungen wurden Vorstellungen vom Menschen häufig in europäische Kategorien wie ‚Seele‘, ‚Geist‘ oder ‚Bewusstsein‘ übersetzt. Guido Rappe untersucht die religionsethnologischen Seelenkonzeptionen bedeutender Vertreter der sogenannten ‚Schwedischen Schule‘, insbesondere Ernst Arbman und Åke Hultkrantz, und verfolgt ihre theoretischen Voraussetzungen bis zu Edward Tylor und Wilhelm Wundt zurück. Die Analyse zeigt, wie solche Modelle entstanden sind, welche begrifflichen Schwierigkeiten sie enthalten und inwiefern sie von ethnozentrischen Voraussetzungen geprägt sind. Auf der Grundlage leibphänomenologischer Überlegungen entwickelt das Buch Perspektiven für eine präzisere Beschreibung kultureller Vorstellungen vom Menschen, vom Leib und vom Selbst jenseits traditioneller Seelenkonzepte.
Guido Rappe
Guido Rappe studierte Ethnologie, Soziologie, Philosophie und Malaiologie an der Universität zu Köln und schloss mit dem Magister der Ethnologie ab. Er promovierte bei Hermann Schmitz an der Universität Kiel. Nach einem Forschungsaufenthalt in Kyōto habilitierte er sich 1999 an der Universität Karlsruhe, wo er später zum außerplanmäßigen Professor für Philosophie ernannt wurde. Von 2012 bis 2017 war er Professor an der Universität Tokio und von 2017 bis 2026 an der Universität Osaka.
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