Dort, wo in Peter Bogdanovichs Film „Targets“ 1968 ein Serienkiller auf Menschen in ihren Autos zielt, beginnt eine visuelle Zeitschleife, die Clemens Mitscher mehrfach von Kalifornien bis nach Texas führt. Den Öltank, von dem der Killer dann schießt, entdeckt er in Los Angeles, der Stadt, in der er gedanklich aufwuchs, obwohl er die Metropole erstmals 2015 besucht. Robert Altmann dreht hier „Short Cuts“, ein Film, in dem es keine Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenrollen gibt. Die Gesamtleistung des Ensembles steht im Vordergrund. Auch die Fotografien von Clemens Mitscher bilden ein solches Ensemble. Mitscher koordiniert mögliche Assoziationsketten im Kontext von Tempo und Dynamik durch unsichtbare Spielanweisungen, wobei das Arrangement die Interpretation einer Welt bestimmt, in der die Kombination von Selbsttäuschung, Hysterie und Depression der Normalfall ist. Das durch Touristen millionenfach fotografierte Hollywood Sign katapultiert Mitscher aus der Normalität, indem er nicht die Buchstaben, sondern den Akt des Fotografierens durch die Touristen zum wichtigsten Element des Bildes macht.
Clemens Mitscher
Clemens Mitscher wird am 23.03.1955 in Marburg geboren. Er studiert von 1985 bis 1991 zunächst Experimentalfilm bei Helmut Herbst, dann Fotografie und Kunst bei Adam Jankowski an der Hochschule für Gestaltung Offenbach. 1989 erhält er den Förderpreis für die Bildende Kunst des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft. Schwerpunkt seiner fotografischen Arbeit sind konzeptuelle Serien. Seit 1997 unterrichtet er Fotografie an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.
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