Eva-Maria Knüsel: Einführung
Welche Umgangsweisen bietet die Kunst für die unbeantworteten Fragen der Gegenwart? Wie gehen Kunstschaffende mit unsicheren gesellschaftlichen, ökologischen und politischen Zuständen um? Wie stabil ist unsere Wahrnehmung, und durch welche Reize lässt sie sich irritieren? Was passiert, wenn Materialien künstlerisch transformiert und in neue Zusammenhänge überführt werden? Und was bleibt, wenn das sorgfältig aufgebaute Kartenhaus in sich zusammenfällt?
Instabilität steht für einen Zustand erhöhter Aufmerksamkeit, für die gesellschaftliche Anforderung nach permanenter Flexibilität und Leistungsbereitschaft und beinhaltet stets die drohende Gefahr des Scheiterns. Diesen Zustand bezeichnen die beiden Künstlerinnen und Initiatorinnen der Projektreihe instabil, Barbara Naegelin und Eliane Rutishauser, als einen für ihre künstlerische Praxis und Biografie zentralen Faktor: Er dient als produktiver Antrieb ihrer Zusammenarbeit; gleichzeitig erleben sie Unbeständigkeit als Stolperstein für ökonomische Unabhängigkeit und verlässliche Lebensentwürfe. Daraus entstand eine
künstlerisch-vermittelnde Auseinandersetzung in unterschiedlichen Formaten sowie mit wechselnden Beteiligten, die sich der Ambivalenz des Begriffs annimmt. Die aktuelle Destabilisierung des Kulturschaffens infolge pandemischer Zustände verleiht der Thematik zusätzliche Brisanz. Instabilität wurde zum Sinnbild des Ausnahmezustands.
Für ihr Projekt instabil Edition 2: Das Experiment / Der Beweis versammeln Naegelin und Rutishauser neun Kunstschaffende (darunter ein Künstlerduo) und laden sie dazu ein, mit künstlerisch-forschenden Mitteln instabilen Zuständen habhaft zu werden.
Barbara Naegelin
Barbara Naegelin (* 1967 in Venezuela, lebt und arbeitet in Basel) ist eine Schweizer Installations-, Performance- und Videokünstlerin. Sie war Teil verschiedener Musikperformancegruppen wie der Band Les Reines Prochaines und Butch & Baumann.
Barbara Naegelin absolvierte 1989–1993 die Schule für Gestaltung Luzern und studierte dort Freie Kunst, machte von 1999 bis 2002 den Bachelor an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel in Bildende Kunst/Medienkunst und erwarb 2012–2015 den Master an der Zürcher Hochschule der Künste in Transdisziplinarität, wo sie auch unterrichtet.
Sie war Teil zahlreicher Ausstellungen, Aktionen und Projekte in der Schweiz und im Ausland, hat viele Soloperformances erarbeitet und gezeigt. Barbara Naegelins Arbeiten spielen mit aktuellen und persönlichen Themen, Künstlerbildern und Geschlechterrollen, populärer Forschung, Elementen aus der Unterhaltungsindustrie und der Musikkultur, die sie mit den Bewegungen und Dimensionen ihrer Person und dem Rahmen der Medien selbst in Spannungsverhältnisse bringt. Barbara Naegelin sucht die Zusammenarbeit, arbeitet aber auch gerne solo mit Videos und in Performances. 1997 war sie Mitverfasserin des Ersten Manifests grosser und angesehener Künstlerinnen.[1] Sie war 2002–2008 Teil der Performancemusikgruppe Les Reines Prochaines, die mit wechselnder Besetzung – Muda Mathis, Fränzi Madörin und Pipilotti Rist, Gabi Streiff, Sus Zwick, Sibylle Hauert, Michèle Fuchs und Barbara Naegelin – auftritt. Als international bekannte Bande aus Basel formierten sie sich während der Jugend- und Frauenbewegung der 1980er mit der Intention, traditionelle Kunst- und Geschlechtergrenzen zu hinterfragen.[2] 2001 gründete sie zusammen mit Iris Beatrice Baumann & Tina Z'Rotz Butch&Baumann, eine Musikperformancegruppe die im Basler Kunstkontext sehr bekannt wurde und bis 2011 aktiv war.
Barbara Naegelin ist Künstlerin, Musikerin, Organisatorin, Kuratorin und Dozentin.
Basel Bildende Kunst Gegenwartskunst Klingenthal Kunst instabil