Jan Tĕsnohlídeks zivile Poesie trägt innerhalb der tschechischen Szene eine unverwechselbare Handschrift. Man fühlt sich ein wenig an die Beatniks erinnert: knappe, gradlinige Sprache, umgangssprachlicher Ton, mitunter rau im Aus-druck, ohne viele Metaphern und komplizierte Kompositionen oder Figuren. Er schreibt über Themen, die allen kennen, schöpft aus realen Si-tuationen, Beobachtungen und Erlebnissen, und bleibt dabei stets am Boden, klar und konkret. Bei Jan Těsnohlídek geht es um den Kreislauf von Suchen, Finden und Verlieren: Um den Unsinn der alltäglichen Strapazen, um gefundene und verlorene Lieben, durchzechte Nächte, sinnloses Gelaber bei unzähligen Gläsern und um die im Zigarettenrauch schwindenden Erinnerungen an das, was man einmal wollte. Und am Ende bleibt die ewige Frage: „Und nun?“
Aus dem Nachwort von Martina Lisa
Jan Těsnohlídek
Jan Těsnohlídek (geb. 1987) ist Autor, Dichter, Redakteur und Verleger (betreibt den eigenen JT’S Verlag). Er debütierte 2009 mit dem dem Gedichtband Násilí bez předsudků (Gewalt ohne Vorurteile), der 2010 mit dem Jiří-Orten-Preis für junge Autor*innen ausgezeichnet wurde. Oft wird er als »enfant terrible« der tschechischen Lyrikszene bezeichnet. Er hat in Cafés und Buchhandlungen gearbeitet sowie auf Baustellen, in Büros, in einem Fastfood-Restaurant oder in Galerien. Fünf Jahre hat er in Polen gelebt, nun lebt und arbeitet er wieder in Tschechien. Seit 2012 ist er Mitglied des tschechischen PEN-Clubs.
Debüt Tschechisch zweisprachig Lyrik Tesnohlidek