Elsie Slonim Alfred Woschitz Slonim Vom Brot im Meer

Vom Brot im Meer

von Elsie Slonim Alfred Woschitz

Die ersten hundert Jahre der Elsie Slonim

EUR 23,90

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Beschreibung

Dr. Beasley war ein äußerst pünktlicher Mensch. Doch gerade bei meiner Geburt verspätete er sich. Mein Vater wurde unruhig. Als der Arzt dann doch kam, entschuldigte er sich in aller Form. Zum ersten Mal in seinem Leben sei er vorhin zu einer jüdischen Familie gerufen worden. Es sei eine schwere Geburt gewesen. „Haben Sie denn schon einmal ein jüdisches Kind gesehen, mein Freund?“ Vater zuckte mit den Schultern. „Nein, woher denn, so etwas habe ich noch nie gesehen. Aber wie sieht das denn aus?“ „Tja, wie soll ich sagen ... Also, da brauche ich erst mal einen Tropfen ...“ Er leerte ein halbes Glas Whiskey, dann fühlte er sich bereit für die ganze Wahrheit: „Sie werden es nicht glauben, aber es sieht genauso aus, wie alle anderen Neugeborenen. Das ist wirklich so.“ Dann war es soweit. Ich kam zur Welt. Und sah aus wie alle anderen Babys ...
Dieses bemerkenswerte Buch ist das Protokoll einer langen Reise. Es zeichnet ein Leben nach, das im November 2017 ein Jahrhundert umfassen wird und von Vertreibung, Exil und persönlichen Rückschlägen gekennzeichnet war. Es zeigt uns die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber den politischen Wirren eines Jahrhunderts, aber auch den unbändigen Willen, stets von neuem zu beginnen. Elsie Slonim, 1917 in New York geboren, wuchs in Baden bei Wien auf. Sie hat zwei Weltkriege, mehrere Wirtschaftskrisen, den Nationalsozialismus, eine Evakuierung von Zypern nach Palästina, und schließlich, nach ihrer Rückkehr auf die Insel, die türkische Invasion auf Zypern 1974 miterlebt. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten geriet das Leben der jungen Frau aus den Fugen. Sie erfuhr, was es heißt, Jüdin zu sein. „Ich dachte, ich sei Österreicherin, ich trug doch ein Dirndl!“, erzählt Elsie Slonim. Ihr amerikanischer Reisepass schützte sie zeitlebens vor Verfolgung. 1939 emigrierte sie unter dem Druck der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wieder in die USA. Der Großteil ihrer Familie wurde von den Nationalsozialisten ermordet. Seit 1974 lebt Elsie Slonim inmitten der militärischen Sperrzone des von der Türkei besetzten Nordteil Zyperns, als einzige Zivilperson, beschützt und bewacht von jenen, die ihr alles genommen haben. Die Bücher Elsie Slonims sind ein Zeitzeugnis, Mahnung und auch eine Kraftquelle, in einer Zeit, in der so manches, das in Europa scheinbar für immer Garant für Frieden und Freiheit gewesen zu sein schien, ins Wanken gerät und sich der Nationalismus wieder überall erhebt.

Autor*in

Elsie Slonim
Elsie Slonim wird 1917 in New York als Tochter österreichischer Auswanderer mit jüdischen Wurzeln geboren. 1919 kehrt die Familie nach Österreich zurück, wo Elsie bis 1936 die Mittelschule in Baden und danach die Kunstgewerbeschule für Architektur und Kunstgeschichte in Wien besucht. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938, deren Zeitzeugin sie ist, flüchtet sie zu ihren Eltern nach Temesvar, Rumänien. 1939 beginnt so eine Flucht, die ihr gesamtes Leben andauern sollte und in der militärischen Sperrzone der türkischen Besatzungsmacht in Nordzypern endet. Dort lebt sie heute ohne jedwede Garantien als einzige Zivilperson, und beschützt, von jenen, die ihr und ihrer Familie alles genommen haben. Am 21.11.2017 wird Elsie Slonim 100 Jahre alt.

Themen in »Vom Brot im Meer«

100. Geburtstag 1938 Alfred Woschitz Buffer-Zone Elsie Slonim Flucht Holocaust Israel Nationalsozialismus New York Nikosia Sperrzone Türkische Invasion 1974 auf Zypern USA Wien

Stimmen zu »Vom Brot im Meer«

So inhaltsschwer wie inhaltsschön und ganz ohne jede Übertreibung oder Propaganda werden hier Fakten zum Jahrhundert europäischer Ausgrenzung, Verfolgung, Auslöschung, Vertreibung, Krieg und Völkermord aus eigenem Erleben beschrieben. Sich treu und der simplen Wahrheit verpflichtet, die da heißt: So und nicht anders erging es mir, schreibt sie dabei so weise wie ergreifend poetisch, so lebenserfahren kraftvoll, dass es ganz und gar einmalig in der Literatur ist. Peter Wawerzinek Träger des Ingeborg-Bachmann-Preises
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Elsie Slonim ist nicht nur Zeitzeugin, sie ist auch eine Erzählerin. Als Zeitzeugin hat sie die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs miterlebt und den Zweiten Weltkrieg selbst erfahren; den Nationalsozialismus, die türkische Invasion auf Zypern und mehr als eine Wirtschaftskrise überstanden. Seit dem Tod ihres Mannes David lebt Elsie Slonim mit ihrem Dackel „Schatzi“ als einzige Zivilperson alleine in einem türkischen Militärsperrgebiet am Rand der geteilten Stadt Nikosia; ohne Garantien und Sicherheiten, durch einen Zaun von der EU getrennt. Die Geschichte, wie es dazu kam, ist wie alle anderen zutiefst persönlich und zeitlos zugleich. Chris Haderer, Journalist
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Details

ISBN: 9783902975577
Verlag: Verlagshaus Hernals
Erscheinung: 14.11.2017

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