Von einer, die auszog, uns das Lachen zu lehren. 250 Facebook-Postings aus den Büchereien Wien, dem erfolgreichsten Auftritt der deutschsprachigen Bibliothekswelt. Wo es dermaßen menschelt, ist der Lesespaß garantiert.
Das Bild von Bibliotheken im Allgemeinen und Bibliothekarinnen und Bibliothekaren im Besonderen scheint sich seit dem Mittelalter wenig geändert zu haben. Hartnäckig hält sich die Vorstellung von endlosen Regalreihen, gefüllt mit verstaubten Wälzern, dazwischen huschen verschrobene, strenge Mitarbeiter herum, die ihre Klientel permanent zur Einhaltung absoluter Ruhe ermahnen. Eine junge Bibliothekarin – und zugleich eine der witzigsten Frauen Wiens – ist angetreten, uns vom Gegenteil zu überzeugen. Seit 2009 gestaltet Monika Reitprecht die Facebookseite der Büchereien Wien, und diese ist so lebendig und unterhaltsam, dass sie der erfolgreichste Auftritt in der deutschsprachigen Bibliothekswelt wurde. 32 000 Fans irren nicht – denn wie Reitprecht den Bibliotheksalltag samt Kundenverkehr schildert, ist ganz großes Kino. Um dabei zu sein, müssen Sie nicht einmal Ihre Facebook-Abstinenz überdenken, denn jetzt gibt es das Buch.
Monika Reitprecht
Abbildungen Bücherei Büchereien Wien Facebook Postings ausleihen
Einer der besonders lustigen Einträge ist nur wenige Tage alt. Auf der Facebook-Seite der Wiener Büchereien wurde ein Foto mit einem weißen, ungebrauchten „Speibsackerl“ (auf Englisch deutlich vornehmer: sickbag) einer Fluglinie gepostet. Darunter stand: „Unser jüngstes Fundstück. aus einem zurückgegebenen Paolo-Coelho-Buch, ein durchaus adäquates Lesezeichen.“ Postings wie dieses bekommen über tausend Likes und werden mehr als 50 Mal geteilt oder kommentiert. Immer sind es Erlebnisse aus dem Büchereien-Alltag, verwirrende Anfragen der Leser („Haben Sie die Tribute von Panama?“), kurze Konversationen zwischen Lesern und Bibliothekaren („Ich suche ,Homo Faber‘ von Thomas Mann.“ – „Das ist von Max Frisch.“ – „Warum?“) und immer wieder verzweifelte Anfragen von Schülern, die auf der Suche nach Material für ihre Seminararbeit sind („Für mein Referat such ich ein Buch, das nicht total scheiße ist“). Die Episoden sind so humorvoll, dabei aber immer noch respektvoll formuliert, dass die Bücherei-Seiten in den sozialen Netzwerken mittlerweile viele Fans haben, fast 40.000 sind es auf Facebook, bald 5.000 auf Twitter. Die Person, die seit 2009 hauptsächlich (aber mit Unterstützung einer Kollegin) für die Tweets und Statusmeldungen auf Facebook verantwortlich ist, wollte zunächst anonym bleiben. Doch spätestens, als der Wiener Milena Verlag bei ihr angefragt hatte, ob sie sich vorstellen könne, die lustigsten Geschichten und Fotos der Fundstücke aus den zurückgegebenen Büchern (leere Pillen-Packung, Liebeserklärungen à la „Willst Du mit mir gehen? Ja. Nein.“, Gedichte, Zeitungsausschnitte) in einem Buch zu sammeln, war Schluss mit der Anonymität. Seither ist Monika Reitprecht bekannt als Digitalstimme und -gesicht der Büchereien –, und sie kennt die Institution tatsächlich ziemlich gut.Wenn man Monika Reitprecht zuhört, bekommt man den Eindruck, die kleine digitale Erfolgsgeschichte ist ihr einfach so passiert. Dabei hat sie es geschafft, die für manche als verstaubt oder spröde geltende Büchereiwelt klug und humorvoll in die Moderne zu holen. „Bis in die Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts war es noch üblich, dass Kunden zu jedem Roman zwei Sachbücher mitnehmen mussten“, erinnert sie sich lächelnd. Zum oft gefragten Sadomaso-Bestseller „Fifty Shades of Grey“ muss heute kein Sachbuch zum Ausgleich mitgegeben werden. (Anna Wallner, Die Presse)
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Wie auch der Social-Media-Auftritt, den die Büchereien Wien bereits seit 2009 sehr erfolgreich betreiben und dessen beste Tweets und Facebook-Posts das Buch zusammenfasst, spiegelt "Wo stehen hier die E-Books?" kompetent und humorvoll das Leben und Leiden mit und durch Literatur wider. (Christian Wobig, Cassinidivison.de)
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Dialoge aus dem Büchereienalltag, die Monika Reitprecht liebevoll zu lustigen Mikrodramen montiert. (Peter Temmel, Kurier)
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