Pflegen, kümmern, Care-Arbeit. Oder aber: ein Denken, das uns die Furcht einflüstert. Dass wir uns um jemanden sorgen und um jemanden sorgen – also Sorgen machen. Mit diesen beiden Bedeutungen des Begriffs Sorgen setzt sich die Doppelnummer 46/47 des Feuilletonmagazins schreibkraft auseinander. Durchaus logisch, gehen sie doch vielfach Hand in Hand. Ganz persönlich – und gesamtgesellschaftlich: Sind nicht all jene Bereiche, die sich der Sorge im klassischen Sinn widmen, auch jene, um die wir uns gerade die größten Sorgen machen (sollten)? Pflegeheime und Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser; systemisch gedacht: (Aus-)Bildung, Gesundheitssystem, Pflege. Überall Mangelwirtschaft, alles kracht, alles an allen Ecken und Enden schlecht versorgt.
Zugleich zeitigt die zunehmende Sorge um den Care-Bereich einen Paradigmenwechsel. Noch nie zuvor war mehr davon zu lesen und zu hören. Über Care-Arbeit wurde nicht gesprochen, erst recht nicht geschrieben. Nun ist sie zentraler Bestandteil öffentlicher Debatten. „Care“ ist der sozialwissenschaftlichen Forschung entwachsen, tritt als Fokus und Arbeitshypothese in zahlreiche Lebens- und Arbeitsfelder ein.
Und doch bleibt sie im Wortsinn wertfrei. Vom sympathisch bis schrullig daherkommenden Kulturpessimisten, reicht die Bandbreite bis zum vielzitierten „besorgten Bürger“, der dann doch recht rasch zum Wutbürger mutiert. Und was, wenn man sich zu viele Sorgen macht? Die Gesellschaft ist „krank vor Sorge“, könnte man meinen. Und dabei wächst die subjektiv empfundene Sorge ständig, genauso wie die Zahl der diagnostizierten Angststörungen. Da könnte man sich wirklich Sorgen machen.
Hermann Götz
Care Adorno Eulenspiegel Bildung Ritual Altern Ilse Kilic Bernhard Horwatitsch Vorsorge Sophie Reyer Clemens Marschall Feminismus Dave Eggers Woke Antiwoke