Gassler Camera Austria International 95/2006

Camera Austria International 95/2006

von

EUR 16,00

Buch in deiner Nähe kaufen


...oder deine aktuelle Postleitzahl eingeben:
oder

Beschreibung

An mehreren Stellen im vorliegenden Heft von Camera Austria Nr. 95 wird der Frage nach gegangen, „wie Gesellschaft und Politik ins Bild kommen“: Ruth Sonderegger untersucht dies auch mit dem Blick auf künstlerische Positionen, die in den vergangenen Jahren nicht über, sondern mit der gesellschaftlichen Rolle von Bildern gearbeitet haben. Es fügt sich gut zusammen, dass für die Fortsetzung unserer Beiträge zum Zeitschriftenprojekt documenta 12 magazines, die wir in Camera Austria Nr. 94 mit Jo Spences Essay „Die dokumentarische Praxis in Frage stellen?“ eröffnet haben, der „gesellschaftliche Gebrauch der Bilder“ weiterhin im Zentrum stehen wird. Mit seinem Essay „Fotografie und die Grenzen nationaler Identität“ führt Allan Sekula in ein außergewöhnliches Projekt der amerikanischen Fotografin Susan Meiselas ein: „Kurdistan. In the Shadow of History“, das wir als weiteren Beitrag für documenta 12 magazines vorschlagen wollen. 1991 hatte Meiselas erstmals Kurdistan besucht, um die Identifizierung der Opfer Irakischer Offensiven des Jahres 1988 fotografisch zu dokumentieren. Daraus entstand in einer über sechs Jahre währenden Recherche ein Archiv über Kurdistan, das als Ausstellung, Website und Buch zu einem „tragbaren Nationalarchiv“ (Allan Sekula) der Kurden (ein Volk ohne Staat) angewachsen ist. Seit Susan Meiselas im Herbst 1993 bei unserem damaligen Symposion über Fotografie zum Thema KRIEG die gerade begonnene Arbeit kommentierte (s. dazu Camera Austria Nr. 47/48, 1994) haben wir den Fortgang dieses Projekts verfolgt. Meiselas spricht hier von dem Problem, „wie man andere involvieren und beteiligen kann. Ich arbeite sowohl innerhalb wie außerhalb der Medien. Denn wir machen diese Bilder nicht nur, wir müssen auch einen Raum schaffen, in dem sie wirken können“, und es ist uns daher ein Anliegen, einem Projekt das so sehr die (oft voreilig gezogenen) Grenzen fotografischer Dokumentation herausfordert, diesen Raum anzubieten. Der spanische Künstler Santiago Sierra setzt sich in einer ortsspezifischen Arbeit am Bukarester National Museum of Contemporary Art, das 2004 in einem Seitenflügel des Parlamentspalastes eröffnet wurde, mit der politischen Signifikanz und Symbolträchtigkeit dieses Gebäudes auseinander. Das als „Palast des Volkes“ erbaute Gebäude ist das zweitgrößte Bauwerk der Welt, megalomaner Ausdruck politischer Macht und Willkür, in seiner Wucht und Größe isoliert und abgeschnitten vom Leben in der Stadt, die für seine Errichtung um ein Drittel weichen musste: „a totem of evil, of the terror in the city“, wie Sierra das Gebäude charakterisiert. In einem Gespräch mit Mihnea Mircan, Kurator der Projektreihe „Under Destruction“, im Rahmen derer Santiago Sierra seinen „Corridor in the House of the People“ realisierte, gibt der Künstler Auskunft über seine Arbeit, in der er sich mit dem nationalen Selbstverständnis bzw. mit den Zuschreibungen nationaler Stereotypen Rumäniens zum Zeitpunkt seiner baldigen Integration in die Europäische Union und die damit verbundenen Erwartungen und Zweifel auseinandergesetzt hat. Während Santiago Sierra mit seinen Aktionen stets einen beklemmenden politischen Kommentar zur Geschichte und Gegenwart des jeweiligen Ortes seiner Intervention liefert, setzt sich Rainer Oldendorf auf ganz andere, subtile Weise mit Formen des politischen Aktivismus auseinander. In seinen Fotografien und Filmen sowie in seinen Ausstellungssettings werden Bruchstücke der eigenen Biografie und politischen Sozialisation in einem fortwährenden, Bedeutung evozierenden Spiel momenthaft in die Gegenwart überführt und zu einem dichten Netz sozialer Beziehungen und Interaktionen immer weiter und immer wieder neu miteinander verwoben. Seine Arbeit, über die Nuria Enguita Mayo einen einführenden Essay verfasst hat, funktioniert dabei nicht nur als eine Form der konstanten Erinnerungsarbeit, sondern auch als Vergegenwärtigung von sozialen und politischen Beziehungen, in denen er sich jeweils wieder findet und aus denen heraus seine Bilder und filmischen Arbeiten entstehen. In Anspielung auf ein vermeintlich kollektives „Wissen“ gelingt es ihm dabei etwa im Filmprojekt „Marco“ mit seiner nach vielen Seiten hin offenen Narration über den bewaffneten Widerstand seit den 1970er Jahren den Betrachter als eine Art Komplizen in seine Arbeit mit einzubeziehen – ein Thema, das wir auch in den Mittelpunkt einer Ausstellung im Rahmen des diesjährigen steirischen herbstes stellen.
Abonnementpreis für ein Jahr (4 Ausgaben, inkl. Porto) Österreich 45,- EUR(A), Europa 53,- EUR(D), Übersee 60,-

Autor*in

Tanja Gassler

Themen in »Camera Austria International 95/2006«

Enguita Mayo, Nuria Meiselas, Susan Mircan, Mihnea Oldendorf, Rainer Sekula, Allan Sierra, Santiago Sonderegger, Ruth

Stimmen zu »Camera Austria International 95/2006«

Details

ISBN: 9783900508616
Verlag: Camera Austria
Erscheinung: 09.2006

Link teilen


Über buchnah.de | Die Buchhandlungen | Die Verlage | Impressum & Kontakt | Datenschutz | Presse


Auf dieser Seite kannst Du Buchhandlungen in der Nähe finden