Die Öffentlichkeit hat sich in den vergangenen
Monaten vor allem auf die Preisanpassungen der
Energieversorger konzentriert, die aufgrund höhere
Beschaffungskosten nötig waren. Dabei
wurde meist übersehen, dass die Energieversorger
durch staatliche Regulierungsmaßnahmen
immer mehr unter Druck geraten.Die jüngste Verordnung
der Bundesregierung – die Anreizregulierung,
die ab 2009 die Entgelte für die Nutzung
von Strom- und Gasnetzen regeln wird – hat diesen
Druck noch einmal deutlich erhöht. Nun müssen
sich alle Versorger, auch kleine Stadtwerke
und Regionalversorger, nach den effizientesten
Unternehmen der Branche ausrichten und jedes
Jahr festgelegte Produktivitätsziele erreichen.
Das ist für viele Unternehmen eine wahre Herkulesaufgabe.
Wie unsere Topentscheiderbefragung
aber ans Licht gebracht hat, legen die deutschen
Energieversorger nun angesichts dieser Herausforderungen
ihre Hände nicht in den Schoß. Sie
haben umfangreiche Effizienzprogramme angestoßen,
um die Vorgaben zu erfüllen. Welche
Maßnahmen in den kommenden drei Jahren geplant
sind, zeigt der „Branchenkompass 2008
Energieversorger“.
Neben der Regulierung belasten die Energieversorger
aber auch nachlassende Wachstumsaussichten
und der anziehende Wettbewerb. In der
Befragung für diesen Branchenkompass schildern
die Energiemanager, wie sie den Spagat zwischen
Kosteneffizienz und wachsenden Vertriebs- und
Kundenanforderungen schaffen wollen und wo
sie neue Wettbewerbsvorteile gewinnen und
neue Geschäftsfelder erschließen werden. Kooperationen
mit Unternehmen innerhalb und außerhalb
der Energiebranche spielen dabei eine
Schlüsselrolle.
Dass die Regulierung auch Anreize zu mehr
Wachstum schafft, zeigt die Liberalisierung des
Zählermarktes. Derzeit befindet sich eine Ergänzung
zum EnWG im Gesetzgebungsprozess, die
künftig auch das Ablesen von Zählern durch Dritte
ermöglichen soll. Bislang ist nur der Einbau, Betrieb
und die Wartung von Zählern für neue Wettbewerber
geöffnet. Die Bundesregierung will die
Verwendung intelligenter, elektronischer Zähler,
die ihre Daten in Echtzeit ins Internet und damit
auch auf den PC der Ableser und Verbraucher
übertragen können, voranbringen. Sie erhofft sich
dadurch Impulse für ihr Klimaprogramm, denn
besser informierte Energieverbraucher können
mehr Energie sparen. Für Energieversorger, die die
Oberhand über die Zähler gewinnen,eröffnet sich
durch die neue Technik die Chance, ihre Kunden
bedarfsgerechter zu versorgern und zu beraten
als der Wettbewerb.
Zum Jahreswechsel 2007/2008 befragte forsa für
uns 100 Führungskräfte aus 100 der größten Energieversorger
Deutschlands zu den Branchentrends
sowie zu Strategien und Investitionszielen
bis 2010. Die Entscheider vertreten die wichtigsten
Gruppen der deutschen Energieversorgung:
die Stadtwerke,die Regionalversorger und die vier
großen Stromkonzerne. Befragt wurden jeweils
die Vorstandsvorsitzenden, Vorstandsmitglieder,
die Geschäftsführer, die Leiter von Finanzen und
Controlling,die Vertriebs- und Marketingleiter sowie
sonstige Führungskräfte. forsa führte die Befragung
mit der Methode des Computer Aided Telephone
Interviewing (CATI) durch.Wir haben die
Ergebnisse ausgewertet und durch einen Vergleich
mit den Ergebnissen unserer Branchenkompass-
Studien von 2002 und 2005 Zeittrends
ermittelt.
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