Die Krise auf den internationalen Finanzmärkten
bestimmt immer noch die Medienberichterstattung
über die Bankenbranche. Doch wie
unsere aktuelle Entscheiderbefragung zeigt,
drücken zumindest die deutschen Kreditinstitute
derzeit ganz andere Probleme: der Wettbewerb
und – damit verbunden – sinkende Erträge. Gerade
im Vertrieb stoßen die Banken häufig an ihre
Grenzen. Neue Wettbewerber dringen mit neuen
Ideen und knapp kalkulierten Angeboten in das
traditionelle Bankgeschäft ein und nehmen den
Instituten Marktanteile ab. Die Kreditinstitute
müssen ihren Vertrieb und ihre Beratungsqualität
verbessern, aber auch Kosten einsparen. Durch
systematische Vertriebssteuerung lenken sie die
Personalressourcen stärker auf margenstarke Abschlüsse,
das Standardgeschäft aber mehr in elektronisch
unterstützte Prozesse. Wachsen wollen
die Banken vor allem mit ihren Bestandskunden.
Dazu bauen sie ihr Kundenbeziehungsmanagement
aus. Außerdem sprechen die Institute neue
Zielgruppen an, zum Beispiel Kunden mit ausländischem
Hintergrund.
Das Thema „Industrialisierung von Prozessen“ ist
in der Branche aktueller denn je. Gerade in der
Kreditabwicklung für Privat- und Geschäftskunden,
aber auch im Private Banking sehen die Banker
ungenutztes Industrialisierungspotential. So
planen viele die Einführung der elektronischen
Kreditakte. Daneben bringt der einheitliche Euro-
Zahlungsverkehrsraum (SEPA) neuen Automatisierungsbedarf
im Zahlungsverkehr mit sich.
In diesem Jahr haben wir zum ersten Mal auch
österreichische Banken befragt. Diese sehen sich
ähnlichen Herausforderungen gegenüber wie die
deutschen. Allerdings steht in Österreich die internationale
Finanzkrise stärker im Fokus. Außerdem
sind die Kreditinstitute dort mehr auf Auslandsmärkte
fokussiert, insbesondere in Osteuropa.
Gerade das Firmenkundenkreditgeschäft
spielt aber in beiden Ländern eine wichtige Rolle.
Die Bankenentscheider erhoffen sich hiervon profitables
Wachstum – trotz Wettbewerb, und obwohl
sie davon ausgehen, dass Unternehmen verstärkt
alternative Finanzierungen in Anspruch
nehmen werden.
Der „Branchenkompass 2008 Kreditinstitute“
zeigt, wie sich deutsche und österreichische Topbanker
den derzeitigen Herausforderungen stellen.
Welche Markttrends sehen sie? Wo investieren
sie? Mit welchen Unternehmen kooperieren
sie? Wird die Branche sich konsolidieren? Auf diese
und weitere Fragen geben die Führungskräfte
der Kreditwirtschaft im Branchenkompass Antworten.
Im Frühjahr 2008 befragte forsa 100 Entscheider
aus 100 der größten Kreditinstitute Deutschlands,
und das F.A.Z.-Institut interviewte 14 Entscheider
der größten Banken Österreichs zu den
Branchentrends, Strategien und Investitionszielen
bis 2011. Die Entscheider vertreten die wichtigsten
Bankengruppen in ihren jeweiligen Ländern.
Befragt wurden die Vorstandsvorsitzenden,
Vorstandsmitglieder, die Geschäftsführer, die Leiter
der Unternehmensentwicklung, die Leiter von
Finanzen und Controlling oder die Vertriebs- und
Marketingleiter. Die Befragungen wurden mit der
Methode des Computer Aided Telephone Interviewing
(CATI) durchgeführt.Wir haben die Ergebnisse
ausgewertet und durch einen Vergleich mit
den Ergebnissen unserer alljährlichen Branchenkompass-
Studien seit 2002 Zeittrends ermittelt.
Eric Czotscher
Altersvorsorge Bank Ethnomarketing Genossenschaftsbank Industrialisierung Islamic Banking Kundenbeziehungsmanagement Sparkasse