Die gängige Formel der Mediengewalt wird bei einschlägigen Ereignissen wie Amokläufen reflexartig hervorgeholt, obwohl es keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse dafür gibt. Diese Studie zeigt in kritischer Absicht, wie diese Formel selbst (medien)politischen Motiven folgt.
Mediengewalt ist immer wieder ein Thema öffentlicher Debatten. Insbesondere nach spektakulären Amokläufen taucht regelmäßig die Frage auf, ob Medien ihre Nutzer zu Gewalttätern programmiert und so die Tat verursacht haben. Dabei ist der kausale Zusammenhang alles andere als geklärt: Obwohl die empirische Mediengewaltforschung mit großem Aufwand betrieben wird, hat sie bis heute keine konsensfähige Antwort gefunden.Diese Studie sucht keine weitere Lösung, sondern fragt, wie sich die Kausalformel »Mediengewalt« historisch herausgebildet hat und welcher Gewinn darin liegt, die Mediengewalt-Debatte beständig mit ungeklärtem Wissen zu versorgen.
Isabell Otto
Isabell Otto (Prof. Dr.) ist Professorin für Medienwissenschaft mit Schwerpunkt mediale Teilhabe in digitalen Kulturen an der Universität Konstanz.
Mediengewalt History of Science Wissenschaftsgeschichte Media Diskursgeschichte Violence Medien Media History Media Studies Gewalt Mediengeschichte Medienwissenschaft
»Gerade diejenigen Stimmen, die in der aktuellen Debatte ein staatliches Verbot von Killerspielen nicht zielführend finden, begründen ihr Urteil damit, dass man mit einem Verbot die Nutzer weniger gut kontrollieren könne als durch anhaltende und dauernde Aufmerksamkeit den Kindern gegenüber. Gezeigt zu haben, dass in einer solchen Ablehnung des staatlichen Zugriffs auf die Mediennutzer deren subtilste Kontrolle zu sehen ist, ist das Verdienst von Ottos innovativem Blick auf ein vermeintlich altes Thema.«
()
Besprochen in:IASL online.de, 13.09.2008, Achim BarschArchiv für Sozialgeschichte, 51 (2011)
()
»Neben den bisherigen einschlägigen Forschungsberichten und Überblicksdarstellungen [...] eröffnet sich mit ihrer Untersuchung ein ganz anderer Zugang zu und Umgang mit dem Thema ›Mediengewalt‹. Bewundernswert auch die breite Sichtung und akribische Analyse der Entstehung der Mediengewalt-Debatte in den USA Ende der 1960er Jahre.«
()