Mit GEBURT EINER NATION (1915) gelingt D. W. Griffith, dem 'Patriarchen des amerikanischen Kinos' (Sergej Eisenstein), der finanziell erfolgreichste und zugleich umstrittenste Film der Stummfilmära, der dem überzeugten Südstaatler neben dem Ruf als 'genialischem Pionier des Films' (Djuna Barnes) auch den Vorwurf des Rassismus einbringt. Griffith fühlt sich missverstanden,
schreibt eine große Rede zur Verteidigung der Meinungsfreiheit
und antwortet 1916 mit seinem nächsten Dreistunden-Opus: INTOLERANCE. Durch vier weit auseinander liegende historische Epochen – vom babylonischen Reich Nebukadnezars über das Palästina zur Zeit Christi, von der mörderischen Bartholomäusnacht in Paris 1572 bis zum Amerika anno 1915 – verfolgt Griffith die verhängnisvollen Auswirkungen des religiösen und sozialen Kasten- und Klassendenkens. Ein großer Appell für Liebe und Toleranz.
Und ein gewaltiges Spektakel: Denn INTOLERANCE ist aufwendiger, weit aufwendiger als GEBURT EINER NATION. Seine Bühnenbauten sind noch prächtiger, seine Kampfszenen noch opulenter, seine Feste noch pompöser, die Masse der Schauspieler und Statisten noch überwältigender und die filmische Narration noch kühner. In immer schnelleren Schnitten und dank einer furiosen Verwendung der Parallelmontage lässt Griffith – 'der Zauberer des Tempos und der Montage' (Sergej Eisenstein) – seinen Zuschauer durch die Zeiten stürzen.
'INTOLERANCE ist nicht nur der weltgrößte Film. In Anlage und Umfang ist er das seit Jahrzehnten größte Kunstwerk gleich welcher
Art überhaupt. Es ist das unglaublichste Experiment, Geschichte zu erzählen, das je unternommen wurde', so der Kritiker Julian Johnson in Photoplay nach der Uraufführung des Films im Dezember 1916.
D W Griffith