Die Annahme, dass Erreger an der Entstehung bzw. Auslösung psychischer Störungen beteiligt sein könnten, ist keine ganz neue. Bereits 1838 notierte der französische Neurologe Jean Esquirol in „Des Maladies Mentales“, dass es Jahre gäbe, „wo der Wahnsinn,
unabhängig von moralischen Ursachen, sich auf eine grosse Anzahl von Individuen ausdehnen würde“. Anfang des 20. Jahrhunderts spekulierte Kraepelin, dass „Infektionen während der
Entwicklung“ eine kausale Bedeutung für die Entstehung psychischer Störungen haben könnten. Auftrieb erhielten diese und ähnliche Überlegungen zusätzlich durch die Influenza
Epidemien der Jahre 1918 und 1919, als einige der betroffenen Individuen schizophreniforme bzw. manische Krankheitsbilder zeigten. Es ist allerdings erst während der letzten 20-30 Jahre, dass, mit Aufkommen präziserer Nachweisverfahren für Erreger bzw. Immunreaktionen, eine systematischere Forschung auf diesem Gebiet entstehen konnte.
Emanuel Severus