Ein Schriftsteller, Jani, lernt auf einem Flug in den Süden eine Frau, Fanni, kennen. Mit ihr verbringt er die nächsten Wochen. In dieser Zeit erzählt Jani seine Lebensgeschichte, von der Kindheit bis zur Gegenwart.
Aufgewachsen während des zweiten Weltkrieges in einem deutschen Dorf in der ungarischen Puszta, wird er mit seiner Familie drei Jahre nach Kriegsende von dort vertrieben. In einem Sammeltransport gelangt sie nach Mitteldeutschland und findet hier eine neue Bleibe. Es folgen schwere Jahre, geprägt von wirtschaftlicher Not, der Ablehnung durch die Einheimischen, Problemen in der Schule etc.
Fanni, die ein ähnliches Schicksal hatte, fordert Jani immer wieder zum Weitererzählen auf. Sie erkennt, dass er so in die Lage kommt, das längst Vergangene und doch so an ihm Zehrende zu verarbeiten.
Stefan Raile leistet mit seinem neuen Roman einen wichtigen Beitrag zur literarischen Bewältigung der Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges, insbesondere mit Blick auf die Geschehnisse nach Kriegsende. Er schildert dabei nicht nur eine Vielzahl unterschiedlicher menschlicher Schicksale, sondern macht vor allem sichtbar, wie die Vertreibung die Existenz der Betroffenen lebenslang überschattete.
"Ich spüre, dass mein Mund trocken bleibt, während der Brunnen im bläulichen Dunst entschwindet. Nur die Melone, die darin schwimmt, sehe ich noch deutlich. Wie oft hab ich sie so erblickt? Hundertmal? Fünfhundertmal? Tausendmal? Oder noch häufiger?
Ist`s immer dieselbe prachtvolle Frucht gewesen, die ich an dem Tag, als der Gendarm gekommen war, kühlen wollte? Am Abend wäre sie mit einem langen, scharfen Messer in große Scheiben geschnitten worden. Aber da waren wir längst am Bahnhof und hatten nicht nur Kuh, Schweine, Betyár und Schneewittchen, sondern auch die Melone zurücklassen müssen."
Stefan Raile
2. Weltkrieg Minderheit Vertriebene