Stevie Smith (1902-1971) ist eine in England und den USA populäre Lyrikerin. In Deutschland sind ihre oft humoristischen oder satirischen Gedichte, die sie mit eigenen Zeichnungen illustriert hat, jedoch noch weitgehend unbekannt.
Da Stevie Smith eine ausgeprägte Neigung und Fähigkeit zur Selbstdarstellung besaß, steht im Mittelpunkt dieser Studie das Problem der Autoridentität. Dabei geht es besonders um die Frage, ob der im Text erscheinenden Autorfigur Realitätscharakter zukommt und inwieweit in dieser Hinsicht die Rede vom Tod des Autors von Bedeutung ist. Auch die Funktion der Autorgestalt bei der Rechtfertigung des eigenen literarischen Sprechens im Spannungsfeld von Kunst und Gesellschaft wird erörtert.
Im Rahmen dieser Auseinandersetzung mit Form und Funktion literarischer Identitätsbildung erfolgt auch eine Darstellung von Stevie Smiths früher Lyrik im Zusammenhang der englischen Literatur der 1930er Jahre und der Moderne. Denn Smith war keineswegs die skurrile Einzelgängerin, als die sie immer beschrieben wird und als die sie sich auch stilisierte. Ihre Gedichte weisen vielfältige Bezüge zur Lyrik der Auden Group und der klassischen Moderne auf.
Bei der Diskussion der hier bestehenden Gemeinsamkeiten und Unterschiede wird auch der Frage nach typisch männlichen oder weiblichen Mustern bei der Bildung von literarischer Identität nachgegangen.
Derk Frerichs