Im Oktober 1950 wurde Maxim Zetkin durch Otto Grotewohl, den ersten Ministerpräsidentender DDR, mit dem Titel „Verdienter Arzt des Volkes“ ausgezeichnet. In der Begründung zu dieser höchsten Auszeichnung für Ärzte in der DDR heißt es: „Prof. Dr. Maxim Zetkin, stellvertretender Leiter der Hauptabteilung Gesundheitswesen im Ministerium für Arbeit und Gesundheitswesen, Berlin, ist es zufolge seinem hervorragenden ärztlichen Wissen, seiner außerordentlichen politischen Fähigkeiten und nicht zuletzt seiner überragenden menschlichen Persönlichkeit zu verdanken, dass die Entwicklung des Gesundheitswesens der Deutschen Demokratischen Republik einen Aufschwung genommen hat, der heute dem gesamten werktätigen Volk zugute kommt. Zahlreiche fortschrittliche Maßnahmen gehen auf seine Initiative zurück. Die reichen Erfahrungen, die Prof. Zetkin in der Sowjetunion gesammelt hat,waren hierbei von wesentlicher Bedeutung. In seiner menschlichen Bescheidenheit und Uneigennützigkeit ist Prof. Zetkin beispielhaft. „
Wer war dieser Mann, dem Grotewohl ein solch hohes Lob aussprach und der heute nur Historikern und einigen älteren Ärzten und Funktionären der DDR bekannt ist? Zu seinem Hundertsten Geburtstag 1983 hatten die Abteilung Gesundheitspolitik des Zentralkomitees der SED und das Ministerium für Gesundheitswesen der DDR eine Konferenzv eranstaltet. Hier wurde einem größeren Personenkreis aus dem Gesundheits- und Sozialwesen und dem politischen Leben der DDR das Wirken Maxim Zetkins nahe gebracht und auch einige bis dahin ungeklärte Fragen seines Lebens zu klären versucht. Bereits im Jahr 1978 war das „Institut für Sozialhygiene und Organisation des Gesundheitsschutzes (ISOG)“, wohl auf Anregung von Prof. Mecklinger, mit seinem Namen geehrt worden. Als ich 1980 meine Tätigkeit an diesem Institut begann, war ich sehr erstaunt, dass sehr wenig im Institut über das Leben dieses Mannes bekannt war. Ich hatte ihn in den 50er Jahrenbei einer Pawlow-Konferenz sprechen gehört und interessierte mich für seine Biographie. Zudem hing in vielen Einrichtungen und Instituten sein bekanntes Zitat: “Der Sozialismus ist die beste Prophylaxe!“ Mein damaliger Institutsdirektor Prof. Günter Ewert förderte meine Untersuchungen. Im Archiv der Akademie der Wissenschaften der DDR und im Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED fand ich z. T. recht umfangreiche Nachlässe, die mir damals aber nur unvollständig aus mir unbekannten Gründen zur Einsicht zur Verfügung gestellt wurden. Außerdem führte ich zum Teil recht umfangreiche Gespräche mit noch lebenden Mitarbeitern und anderen Zeitgenossen von Maxim Zetkin. Dabei entstand ein differenziertes, plastisches, nicht immer einheitliches Bild dieses außergewöhnlichen Mannes.
Otto Weiss
Biographie Gesundheitswesen der DDR Kriegschirurg Milovidova, Emilia Roten Armee