Georg Klaus war einer der wenigen, der sich entgegen ideologiegeleiteter Einschränkungen weitgehend vorurteilsfrei mit als „neopositivistisch", „behaviouristisch" oder „idealistisch" diffamierten Strömungen der modernen Sprachphilosophie bzw. Verhaltenspsychologie auseinandersetzte und deren positive Elemente für die wissenschaftlichen Begriffsbildung einzusetzen versuchte. Gerade dem vom marxistischen Standpunkt aus als reaktionär und tendenziell agnostizistisch bezeichneten Behaviorismus bescheinigte er, keine schlechthin unerfreuliche philosophische Anwendung des Pragmatismus auf Biologie und Psychologie zu sein, sondern das in seinem Rahmen höchst wertvolle Einzeluntersuchungen durchgeführt worden sind.
In der vorliegenden Einführung sollen seine Überlegungen zum Themenkomplex Sprache-Kommunikation-Zeichen einer eingehenden Betrachtung unterzogen werden. Dabei wird das Ziel verfolgt, die im Rahmen der allgemeinen Entwicklung einer Theorie der Medien geäusserten Gedanken von Georg Klaus zusammenzutragen und überblicksverschaffend darzustellen. Weiter soll am Beispiel von Klaus’ Arbeiten die generelle Möglichkeit einer Theorie der Medien unter den Bedingungen des real existierenden Sozialismus in der Deutschen Demokratischen Republik untersucht werden.
Die Ausarbeitung umfasst eine eher begriffsgeschichtliche als systematische Bestimmung des Medienverständnisses im ausgewählten Untersuchungszeitraum, sowie eine überblicksverschaffende Klassifikation existierender Medientheorien. Dabei liegt der Schwerpunkt der Erläuterungen auf den Schriften der Zeitspanne von 1957 bis 1974, in denen sich zeitgleich ein verändertes Begriffsverständnis des Terminus „Medien" vollzogen hat. Anschliessend sollen mögliche Gegenstandsbereiche einer allgemeinen Medientheorie konzipiert werden, um mit definierten Kriterien die von Georg Klaus entworfenen Modelle prüfen zu können.
Die zentralen Kategorien bei Georg Klaus werden in eine Mikro- und eine Makroebene unterteilt. Von den zeichentheoretischen Überlegungen ausgehend, soll über das am kybernetischen Regelkreis orientierte Kommunikationsmodell zur Beschreibung des Kommunikationsvorganges übergegangen werden. Die Zielstellung der Klaus‘schen Theoriebildung soll zum Abschluss erläutert und die vorgefundenen medientheoretischen Implikationen kritisch hinterfragt werden. In einem Resümee wird auf weiterführende Fragestellungen eingegangen, die sich in Zusammenhang mit den von Georg Klaus bearbeiteten Wissenschaftsbereichen ergeben könnten.
Gerhard Banse
Klaus, Georg Kommunikation Kybernetik Medientheorie Semiotik