Der vorliegende Band bietet erstmalig die Edition einer Bentheimer Grafenchronik aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Neben der Edition des Originaltextes erscheint im Paralleldruck die Übersetzung. Die zugrunde liegende Handschrift stammt vermutlich aus den heutigen östlichen Niederlanden, die Sprache ist Mittelniederdeutsch mit niederländischen Einflüssen.
Die Chronik ist nicht nur für den deutschen, sondern auch für den niederländischen Sprachraum sehr interessant, weil sie viel aus der Geschichte der Utrechter Bischöfe berichtet, die im Berichtszeitraum mit den Bentheimer Grafen verwandt waren. Eine prominenten Platz nimmt die Schlacht bei Ane (1227) ein, außerdem das Frömmigkeitsleben des Grafen Bernhard von Bentheim, dem Mitbegründer des Klosters Frenswegen.
Friedel Helga Roolfs
Ane, Schlacht bei Bentheim Chronik Frenswegen, Kloster Mittelniederdeutsch Mittelniederländisch Utrecht
Alte Chronik entdecktGeschichte der Bentheimer Grafen als BuchFür Grafschafter Heimatforscher ist es eine uralte und doch ganz neue Quelle: Eine handschriftliche Chronik über die Bentheimer Grafen, die lange kaum bekannt war, ist in einem Berliner Archiv wiederentdeckt worden und soll nun, wissenschaftlich aufbereitet, als Buch erscheineEin 'mutiger, strenger und mächtiger Ritter' soll Graf Bernhard I. gewesen sein, aber auch 'erstaunlich innig, fromm und förderlich'. So berichtet es ein unbekannter Chronist aus dem 15. Jahrhundert. Seine Aufzeichnungen über die Grafen von Bentheim waren jahrhundertelang in Vergessenheit geraten, die Handschrift lag zuletzt unbeachtet in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin. Erst vor rund zehn Jahren wurde sie wiederentdeckt. Und nun soll sie erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens in Münster hat die Chronik ediert und wird sie voraussichtlich im Juli als Buch veröffentlichen.Verantwortlich für die Aufbereitung, Übersetzung und Veröffentlichung ist die gebürtige Itterbeckerin Dr. Friedel Helga Roolfs. Sie ist wissenschaftliche Referentin des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe und gibt das Werk gemeinsam mit zwei Kollegen heraus. Dieser Tage stellte sie das Projekt in der 'Grafschafter Stube' der Kreissparkasse in Nordhorn vor. Die Sparkasse unterstützt die Veröffentlichung mit einer Spende.Die Handschrift stammt vermutlich aus der Gegend um Almelo. Sie ist in mittelniederdeutscher Sprache verfasst, mit niederländischen, genauer ijsselländischen Einflüssen. Der 'mutige, strenge und mächtige' Ritter wird darin wörtlich als 'modich ende strenghe ende weldich' beschrieben, die Begriffe 'innig', 'fromm' und 'förderlich' lauten im Original 'ynnich', 'devoet' und 'voertsettende'. Für den Laien ist das Original also wegen der ungewohnten Handschrift nicht leicht zu lesen und wegen der Sprache auch nicht leicht zu verstehen. In dem geplanten Buch wird der Text deshalb im Paralleldruck präsentiert: links der Originaltext in modernem Druck, rechts die neuhochdeutsche, für jedermann leicht verständliche Übersetzung.Die Chronik handelt insbesondere von den Bentheimer Grafen. Sie beginnt im 12. Jahrhundert und endet 1485. Da sie reichlich aus Johannes de Bekes 'Chronographia', der Chronik der Bischöfe von Utrecht und der Grafen von Holland, schöpft, ist sie auch für den niederländischen Raum von Interesse. Hinzu kommen als Quellen Frenswegener Urkunden und Klosterchroniken. Einen prominenten Platz nimmt die Schlacht von Ane bei Hardenberg (1227) ein sowie das so genannte Frömmigkeitsleben des Grafen Bernhard von Bentheim, eines Mitbegründers des Kloster Frenswegen.Auf den 96 Seiten des Buches ist nicht nur der gesamte Text im Original und in Übersetzung abgedruckt. Die Herausgeber bieten auch eine Beschreibung der Handschrift, sie gehen der Frage nach, ob es sich dabei um ein Original handelt oder um eine Abschrift, sie erläutern Verfasserschaft, Inhalt und Aufbau des Textes, nennen Quellen und beschreiben die Rezeption, also spätere Übernahmen der Chronik.Steffen Burkert, in: Grafschafter Nachrichten, 12.6.2010 Die Berliner Handschrift Mgq 812 überliefert eine lange übersehene Chronik der Grafen von Bentheim von den Anfängen bis 1485, die hier in solider Edition vorgelegt wird. Der Text folgt seiner Hauptquelle, der lateinischen Utrechter Chronik von Jan Beke, so eng, dass man teilweise von einer Übersetzung sprechen kann. Ausführlich wird die Sprache des Textes gewürdigt, die unter niederländischem Einfluss steht. Die beigegebene Übersetzung ermöglicht auch oberdeutschen Lesern die bequeme Lektüre. Der Sachkommentar erscheint gelungen.Klaus Graf, in: Archivalia, 20.11.2010
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Alte Chronik entdeckt
Geschichte der Bentheimer Grafen als Buch
Für Grafschafter Heimatforscher ist es eine uralte und doch ganz neue Quelle: Eine handschriftliche Chronik über die Bentheimer Grafen, die lange kaum bekannt war, ist in einem Berliner Archiv wiederentdeckt worden und soll nun, wissenschaftlich aufbereitet, als Buch erscheine
Ein 'mutiger, strenger und mächtiger Ritter' soll Graf Bernhard I. gewesen sein, aber auch 'erstaunlich innig, fromm und förderlich'. So berichtet es ein unbekannter Chronist aus dem 15. Jahrhundert. Seine Aufzeichnungen über die Grafen von Bentheim waren jahrhundertelang in Vergessenheit geraten, die Handschrift lag zuletzt unbeachtet in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin. Erst vor rund zehn Jahren wurde sie wiederentdeckt. Und nun soll sie erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens in Münster hat die Chronik ediert und wird sie voraussichtlich im Juli als Buch veröffentlichen.
Verantwortlich für die Aufbereitung, Übersetzung und Veröffentlichung ist die gebürtige Itterbeckerin Dr. Friedel Helga Roolfs. Sie ist wissenschaftliche Referentin des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe und gibt das Werk gemeinsam mit zwei Kollegen heraus. Dieser Tage stellte sie das Projekt in der 'Grafschafter Stube' der Kreissparkasse in Nordhorn vor. Die Sparkasse unterstützt die Veröffentlichung mit einer Spende.
Die Handschrift stammt vermutlich aus der Gegend um Almelo. Sie ist in mittelniederdeutscher Sprache verfasst, mit niederländischen, genauer ijsselländischen Einflüssen. Der 'mutige, strenge und mächtige' Ritter wird darin wörtlich als 'modich ende strenghe ende weldich' beschrieben, die Begriffe 'innig', 'fromm' und 'förderlich' lauten im Original 'ynnich', 'devoet' und 'voertsettende'. Für den Laien ist das Original also wegen der ungewohnten Handschrift nicht leicht zu lesen und wegen der Sprache auch nicht leicht zu verstehen. In dem geplanten Buch wird der Text deshalb im Paralleldruck präsentiert: links der Originaltext in modernem Druck, rechts die neuhochdeutsche, für jedermann leicht verständliche Übersetzung.
Die Chronik handelt insbesondere von den Bentheimer Grafen. Sie beginnt im 12. Jahrhundert und endet 1485. Da sie reichlich aus Johannes de Bekes 'Chronographia', der Chronik der Bischöfe von Utrecht und der Grafen von Holland, schöpft, ist sie auch für den niederländischen Raum von Interesse. Hinzu kommen als Quellen Frenswegener Urkunden und Klosterchroniken. Einen prominenten Platz nimmt die Schlacht von Ane bei Hardenberg (1227) ein sowie das so genannte Frömmigkeitsleben des Grafen Bernhard von Bentheim, eines Mitbegründers des Kloster Frenswegen.
Auf den 96 Seiten des Buches ist nicht nur der gesamte Text im Original und in Übersetzung abgedruckt. Die Herausgeber bieten auch eine Beschreibung der Handschrift, sie gehen der Frage nach, ob es sich dabei um ein Original handelt oder um eine Abschrift, sie erläutern Verfasserschaft, Inhalt und Aufbau des Textes, nennen Quellen und beschreiben die Rezeption, also spätere Übernahmen der Chronik.
Steffen Burkert, in: Grafschafter Nachrichten, 12.6.2010
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