Die Schatzverzeichnisse des Fürstentums Göttingen sind die frühesten Steuerlisten ihrer Art in Niedersachsen. Es handelt sich um Aufzeichnungen außerordentlicher Steuern, die auf Bitten des Landesherrn von den Ständen beschlossen wurden. Im frühesten Schatzverzeichnis von 1418 findet sich der gesamte Viehbestand vom Pferd bis zum Schaf. Der Vergleich mit den folgenden Listen ermöglicht Einblicke in die Bevölkerungsentwicklung und in die Siedlungs- und Sozialstruktur. Änderungen in der Steuererhebungspraxis und die zunehmende Häufigkeit dieser 'Sondersteuer' lassen Rückschlüsse auf die Kräfteverhältnisse zwischen Landesherrn und Ständen zu. Die Schatzverzeichnisse sind eine einzigartige Quelle für die Ausbildung der frühneuzeitlichen Territorialherrschaft und für die Entwicklung der ländlichen Region, in der die Mehrheit der Bevölkerung lebte.
https://www.regionalgeschichte.de/detailview?no=0834
Josef Dolle
Dr. Josef Dolle. Geboren 1957 in Lüchtringen (Kreis Höxter). Studium: Geschichtswissenschaft und Politikwissenschaft in Göttingen. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsunternehmen Ortsnamen zwischen Rhein und Elbe – Onomastik im europäischen Raum (Münster) der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Veröffentlichungen zur Geschichte Niedersachsens und Sachsen-Anhalts.
Bede Landtag Südniedersachsen Göttingen, Fürstentum Schatzverzeichnisse
Die Einführung geht weit über das bei Editionen übliche Maß hinaus und vertieft den bisherigen Forschungsstand erheblich. Umfassend und präzise stellt Dolle die Entwicklung der herzoglichen Ämter, der Städte, Klöster und Stifte sowie der adligen Gerichte und Dörfer dar, beschreibt die sich wandelnden politischen Machtverhältnisse zwischen Landesherrn und Ständen sowie deren Auswirkungen auf Umfang und Praxis der Steuererhebung. Von diesem überaus ergiebigen Quellenwerk wird die lokale und regionale Geschichtsforschung und die vergleichende Landesgeschichte profitieren.
Sabine Graf, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 68, 2012
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