Zu den bedeutendsten Künstlern des Rheinlandes gehört Jan Joest. Seine zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstandenen zwanzig Flügelgemälde des Kalkarer Hochaltarretabels sind imposantes Zeugnis einer reifen Malerpersönlichkeit, die Motive aus der Kölner, Weseler und niederländischen Maltradition souverän zu vereinen verstand. In anschaulicher Weise zeigt die reichbebilderte Studie, daß Jan Joest seinerseits auch Einfluß auf die Altkölner Meister ausübte. Das bemerkenswert groß dimensionierte Kalkarer Hochaltarretabel offenbart die Verquickung von spätmittelalterlicher Frömmigkeit und dem Repräsentationsbedürfnis einer selbstbewußten Bürgerschaft. Nahezu vollständig überlieferte Archivalien dokumentieren die Stiftungsgeschichte des gesamten Retabels und zahlreiche Infrarotfotografien ermöglichen dem Leser Einblick in den Entstehungsprozeß der Bilder.
War bislang so gut wie nichts über die Biographie des Künstlers bekannt, so weist Schollmeyer seine Herkunft aus Wesel nach und schreibt das verschollene Hochaltarretabel der Werdener Benediktinerabtei dem Œuvre Joests zu. Die Kalkarer Flügelgemälde stehen exemplarisch für den Niederrhein als eine Kunstlandschaft, von der maßgebliche Impulse in die benachbarten Regionen ausstrahlten. Nicht zuletzt als Lehrer von Joos van Cleve und Bartholomäus de Bruyn d.Ä. nahm Jan Joest noch viele Jahrzehnte nach seinem Tod Einfluß auf die Kunstzentren Antwerpen und Köln.
Lioba Schollmeyer
Palencia (Spanien) Werden (Essen) Joest, Jan Bruyn, Bartholomäus Rheinland Kalkar