Das Kloster Freckenhorst bemühte sich Ende des 15. Jahrhunderts beim Papst um eine Bestätigung seiner weltlich gewordenen Lebensform. Das ging mit der Rückbesinnung auf die eigene Geschichte einher, die zeigte, daß Frömmigkeit nicht eine Frage äußerer Lebensformen, sondern der inneren Überzeugung war.
Vom Interesse an Andacht, Geschichte und Legende zeugt das aus verschiedenen Teilen zusammengesetzte lateinische und mittelniederdeutsche Freckenhorster Legendar. Dazu gehören die Erzählung von der Gründung der Kirche und des dazugehörenden Klosters, die Geschichte der Freckenhorster Kreuzreliquie sowie die Lebensbeschreibung des heiligen Bonifatius, der als Stiftspatron galt. Dieses bedeutende Zeugnis spätmittelalterlicher Frömmigkeit wird erstmals diplomatisch ediert und umfassend kommentiert.
Beate Sophie Fleck
Legende Bonifatius Kloster Freckenhorst
Die Damen des Freckenhorster Stiftskonvents waren vom Bischof Ludolf von Holte um 1240 gezwungen worden, ihr Leben nach der Augustiner-Regel zu organisieren. Ganz offensichtlich aber hielten sie sich wenig an diese Regeln und versuchten im späten 15. Jahrhundert, den tatsächlichen 'freien' Zustand rechtlich abzusichern. Die Damen strebten die Umwandlung in ein freiweltliches Damenstift an und hatten Erfolg. In diesem Zusammenhang entstand das Freckenhorster Legendar als Zeichen der Rückbesinnung auf die eigene Stiftsgeschichte. Jetzt liegt eine vollständige Textausgabe der Sammelhandschrift vor. Die Bearbeiter geben eine sachkundige Abhandlung zur Überlieferung, zur Übersetzungstechnik, zur westfälisch-niederdeutschen Sprache der Übersetzungen sowie zur geschichtlichen Einordnung dieses bedeutenden Zeugnisses für Selbstverständnis und Frömmigkeit der Stiftsmitglieder im ausgehenden Mittelalter.
Friedrich Bernward Fahlbusch, in: Die Glocke, 25.3.2003
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