Cornelia muss für eine Hüftoperation ins Krankenhaus. Aus Angst hat sie den Eingriff lange Zeit vor sich hergeschoben, noch immer auf das Wunder einer Besserung hoffend. Nach Absprache mit den Ärzten bevorzugt die Patientin eine Lumbalanästhesie, um den für ihr weiteres Leben wichtigen Eingriff bei Bewusstsein mitzuerleben. Allerdings hatte Cornelia nicht gewusst, wie aufregend die Sache sein würde, obwohl der Anästhesist von der Chirurgie als einem nicht selten regelrechten Handwerk gesprochen hatte.
Noch am Vorabend der Operation beginnt Cornelia für ihre Tochter die Geschichte ihrer Familie aufzuschreiben, weil ihr plötzlich klar wurde, wie wenig ihre Tochter davon weiß und dass jede Operation ein Risiko in sich birgt. Die letzten Kriegsjahre, die mühsamen Zeiten nach dem Krieg gewinnen wieder Gestalt. Eine besondere Rolle spielt das Schicksal der jüngeren Schwester, die hochbegabt zu einem Geigenstudium nach Amerika geht, sehr bald einen berühmten Geiger heiratet, aber mit diesem Leben und drei kleinen Kindern nicht zurechtkommt. Ihr Leben endet auf tragische Weise, und für Cornelia stellt sich eine große Aufgabe in der Familie der Schwester. Später verlaufen die Fäden nach Österreich, wo sich ein Teil der Familie niederlässt. Nach der Operation ist Cornelia bis zu ihrer Entlassung zur Ruhe gezwungen. In dieser Zeit lassen sich die alten Erinnerungen in Gedanken wie auch schriftlich aufarbeiten.
Konstanze Franke