Anfang der 1960er-Jahre beschloss die DDR, als drittes Land der Welt nach den USA und der UdSSR ein Programm für den 70-mm-Film aufzulegen. Die breite Leinwand mit ihren tiefenscharfen Bildern und leuchtenden Farben sollte die Zuschauer vom Fernsehen wieder zurück ins Kino holen. Beabsichtigt war, international erfolgreiche 70-mm-Produktionen möglichst aus eigener Kraft herzustellen, ohne von teuren Technik- und Materialimporten aus dem westlichen Ausland abhängig zu sein. Doch ganz ohne fremde Hilfe ging es nicht: Bis zum Ende des 70-mm-Programms 1973 suchte die Produktionsfirma DEFA immer wieder nach ausländischen Co-Produzenten und Partnern, um die Kosten für das 70-mm-Kino auf breitere Schultern legen zu können.
Das Buch erzählt die Geschichten jener zehn 70-mm-Filme, die von der DEFA mit großem Aufwand realisiert wurden, darunter die Komödie" Hauptmann Florian von der Mühle" mit Manfred Krug (1968), die Literaturadaption" Goya" (1970, R: Konrad Wolf), die Science-fiction-Spielfilme" Signale – ein Weltraumabenteue"r (1969, R: Gottfried Kolditz) und "Eolomea" (1972, R: Herrmann Zschoche) sowie die Operette "Orpheus in der Unterwelt" (1974, R: Horst Bonnet). Beleuchtet werden aber auch abgebrochene Projekt wie Henry IV. nach dem Roman von Heinrich Mann (1963–74, R: Kurt Maetzig) und die kuriose Story der ostdeutsch-indischen Gemeinschaftsproduktion "Alexander und Chanakya", die 1964 unter der Regie von Heinz Thiel als erster 70-mm-Film der DEFA produziert werden sollte. Ein besonders erregendes Kapitel ist die Entstehungs- und Verbotsgeschichte des Films" Die Deutschen" (1964–68) von Annelie und Andrew Thorndike, der schließlich verändert unter dem Titel "Du bist mi"n (1969) herauskam.
Das Buch entstand auf der Basis zahlreicher Aktenfunde und Zeitzeugengespräche sowohl zur 70-mm-Technik als auch zur Filmpolitik jener Jahre. Mehr als hundert zum Teil großformatige Fotos runden die Erinnerung an ein fast vergessenes Kapitel der deutschen Filmgeschichte ab.
Ralf Schenk