Rund hundert Jahre nach Röntgens Entdeckung "einer neuen Art von Strahlung" im Jahre 1895 ist die Medizintechnik Gegenstand großer Hoffnungen einerseits, vielfältiger Kritik und Befürchtungen andererseits. Dabei dringen in zunehmendem Maß primär medizinfremde Verfahren in den Gesundheitsbereich ein, vor allem in die Diagnostik, aber auch in die Therapie. Querschnittstechnologien wie die Mikroelektronik revolutionieren die Medizin - vom Praxiscomputer und Krankenhausinformationssystem bis zum Kernspintomographen und zu den Visionen vom Operationsroboter. In den Sozialwissenschaften und auch seitens einer Minderheit in den Gesundheitsberufen selbst werden Stimmen laut, die beklagen, daß diese Entwicklungen am eigentlichen Bedarf vorbeigingen; außerdem sei diese Technik ein kostentreibender Faktor. Die Beiträge im Jahrbuch 1994 zeigen anhand einer Reihe von Beispielen medizinischer Großgeräte und EDV-gestützter Systeme in Praxen und Kliniken, daß hinter solchen Aussagen teilweise Vorurteile stecken. Die Probleme mit der Medizintechnik liegen nicht in ihr selbst begründet, sondern vor allem in den Bedingungen ihrer Anwendung, insbesondere in ökonomischen Zwängen.