In heutigen Kernfusionsanlagen sind Verunreinigungen in heißenWasserstoff-
Plasmen unvermeidlich. Sie treten infolge immanenter Prozesse, wie der
Wechselwirkung des Plasmas mit Gefäßwänden oder auch durch gezieltes
Einblasen, auf. Üblicherweise werden Verunreinigungsteilchen beim Einblasen
räumlich stark lokalisiert in das Plasma eingebracht, so dass eine
signifikante Veränderung lokaler Plasmaparameter zu erwarten ist, die ihrerseits
wiederum Auswirkungen auf die Verteilung der Verunreinigungen hat.
Eine selbstkonsistente Modellierung der Wechselwirkung zwischen Verunreinigungen
und Plasma ist deshalb nicht mit linearen Ansätzen möglich. In
dieser Arbeit wird ein Modell entwickelt, das auf einer Flüssigkeitsbeschreibung
der Elektronen, Wasserstoff- und Verunreinigungskomponenten basiert.
Dieses Modell beschreibt den Transport der Verunreinigungen und deren
Wirkung auf das Hauptplasma unter Berücksichtigung der Quasineutralität
des gesamten Plasmas, der Coulomb-Stöße geladener Teilchen untereinander,
der Strahlungsverluste und der Plasma-Wand-Wechselwirkung an den
angrenzenden Oberflächen. Um den Effekt der Ausbreitung von Verunreinigungen
und die Reaktion des Plasmas selbstkonsistent zu beschreiben, werden
die Erhaltungsgleichungen der Fluid-Theorie für Teilchen, Impuls und
Energie von allen beteiligten Plasmakomponenten gelöst. Die Erhaltungsgleichungen
werden zu gewöhnlichen Differentialgleichungen für die zeitliche Entwicklung
der Parameter reduziert, welche charakteristisch für die eigentliche
Lösung sind: die Größen der Plasmadichte und Plasmatemperaturen in den
Bereichen, in denen die Verunreinigungen lokalisiert sind, sowie die räumliche
Ausdehnung dieser Bereiche. Die Ergebnisse aus Simulationsrechnungen
mit typischen Bedingungen in Tokamak-Experimenten zur Verunreinigungsinjektion
werden dargestellt und diskutiert. Ein neuer Mechanismus
für das Phänomen der Kondensation und der Bildung von kalten dichten
Strukturen im Plasma wird vorgeschlagen.
Mikhail Koltunov