Diese Dissertation behandelt die ultraschnelle Dynamik der Magnetisierung aus einer
theoretischen Perspektive. Die Manipulation der Magnetisierung mit Hilfe des inversen
Faraday-Effektes wird untersucht, wie auch magnetische Relaxationsprozesse in Quantenpunkten.
Der inverse Faraday-Effekt — die Erzeugung eines magnetischen Feldes durch nichtresonantes,
zirkular-polarisiertes Licht — bietet die M¨oglichkeit der Kontrolle und Schaltung
der Magnetisierung auf einer Zeitskala von wenigen hundert Femtosekunden. Dies ist
wichtig sowohl aus technologischen Erw¨agungen als auch f¨ur die Gewinnung eines tieferen
Verst¨andnisses der grundlegenden Dynamik der Magnetisierung. Es gibt bis heute einige
Aspekte des inversen Faraday-Effektes, die nicht gut verstanden sind. Insbesondere bleibt
die Frage unbeantwortet, ob Licht allein eine Magnetisierung manipulieren kann oder ob
eine zus¨atzliche Drehimpulsquelle notwendig ist.
Diese Frage wird hier beantwortet: Der Lichtstrahl, der den inversen Faraday-Effekt
bewirkt, stellt auch den Drehimpuls zur Verf¨ugung, der f¨ur Pr¨azession erforderlich ist.
Keine andere Drehimpulsquelle ist notwendig. Dies bedeutet, dass die Kontrolle der Magnetisierung
auf der Zeitskala eines Laser-Pulses, der sehr kurz sein kann, stattfindet. Selbst
die Umkehr der Magnetisierung k¨onnte in diesem Zeitrahmen m¨oglich sein, vorausgesetzt,
dass ein Material mit einer ausreichend starken magnetooptischen Antwort gefunden werden
kann. Dies ist eine technische Herausforderung, kein grundlegendes Hindernis.
Der Faraday-Effekt unter dem Einfluss optischer Doppelbrechung wird auch analysiert.
Dieser Effekt wird benutzt um die Magnetisierungsdynamik in transparenten Medien
auf einer ultraschnellen Zeitskala zu visualisieren. Transparente magnetische Materialien
haben jedoch in der Regel eine komplexe Kristallstruktur und komplizierte optische Eigenschaften,
die die Beziehung zwischen Faraday-Rotation und Magnetisierung verschleiern.
Wir zeigen, dass der Faraday-Effekt verwendet werden kann, um die momentane Magnetisierung
zu messen. Dies funktioniert auch unter dem Einfluss von Doppelbrechung,
sofern bestimmte experimentelle Bedingungen erf¨ullt sind. In diesem Zusammenhang werden
entsprechende experimentelle Methoden vorgeschlagen.
Die Relaxation der Magnetisierung, vor allem die Relaxation eines Spins in einem
Quantenpunkt, wird untersucht. Dieses Problem ist von großer Bedeutung im Gebiet des
Quanten-Computing und “highly-multiplexed” optischer Speicher. Wir untersuchen die
Wechselwirkung des Spins mit einer metallischen Elektrode und berechnen die Dephasingsund
Dissipations-Raten. Wir stellen fest, dass die Relaxation unter den gegenw¨artigen
experimentellen Bedingungen gegen¨uber der Spin-Phonon-Streuung vernachl¨assigt werden
kann. Mit fortschreitender Miniaturisierung wird die Wechselwirkung mit den Elektroden
jedoch an Bedeutung gewinnen
Simon Woodford
Extended Systems Inverse Faraday Effect Small Systems