Einerseits wurden Schriftkompetenz, Geschriebenes und Schreibgeräte mit einer numinosen Aura umgeben, andererseits waren Schreiber als Intellektuelle vergangener Zeiten immer schon Zielscheibe des Spotts und der Feindseligkeit. Volkserzählungen werden in dieser Arbeit als Quellen für eine »Mentalitäts-Geschichte von unten« begriffen. Mit Ansätzen aus der volkskundlichen Erzählforschung wird hier den Wurzeln der Intellektuellenfeindlichkeit nachgegangen.
Schriftbeherrschung wurde jahrhundertelang in der mündlichen Überlieferung thematisiert. Märchen, Sagen, Lieder, Schwänke und Witze, aber auch sprichwörtliche Redensarten sind Zeugnisse der Auseinandersetzung mit dieser Kulturtechnik. Einerseits wurden Schriftkompetenz, Geschriebenes und Schreibgeräte mit einer numinosen Aura umgeben, andererseits waren Schreiber als Intellektuelle vergangener Zeiten immer schon Zielscheibe des Spotts und der Feindseligkeit. Volkserzählungen werden in dieser Arbeit als Quellen für eine "Mentalitäts-Geschichte von unten" begriffen. Mit Ansätzen aus der volkskundlichen Erzählforschung wird hier den Wurzeln der Intellektuellenfeindlichkeit nachgegangen.
Sabine Wienker-Piepho
PD Dr. Sabine Wienker-Piepho (geb. 1946 in Göttingen) ist nach Gastprofessuren in Jyväskylä, Minsk und Tartu und Lehrstuhlvertretungen in Augsburg, Bayreuth und München Lehrbeauft ragte in Jena, Zürich und Freiburg. Sie hat den größten Teil ihrer akademischen Ausbildung an der Universität Freiburg absolviert und wurde mit einer Arbeit über weibliche Volkshelden bei Lutz Röhrich promoviert. Die Habilitation zur Schrift kompetenz erwuchs aus ihrer Mitgliedschaft im Sonderforschungsbereich 321 „Mündlichkeit/Schriftlichkeit“.
Schriftbeherrschung im Mittelalter Erzählforschung Allgemeines, Theorien und Methoden
*Über das Erzählen, über Erzähler und Erzählerinnen ist schon viel geschrieben worden. (...) Vernachlässigt wurde der Schreiber, der Schriftliches produziert, formuliert und niederschreibt. (...) Dieses Defizit mindert die breit angelegte Untersuchung der Verfasserin [Sabine Wienker-Piephos]. Sie nimmt die Spur des Schreibers im volkskundlich-kulturgeschichtlichen Zusammenhang und in der diachronischen Abfolge auf, und zwar an Materialien aus Volkserzählung und Volksdichtung. (...) Die Texte sind insofern auch eine Quelle zur Sozialgeschichte der Intellektuellen. (...) Besondere Aufmerksamkeit verdient das abschließende Kapitel über schreibende Frauen. (...) Die Darstellung erschließt ein wichtiges Gebiet des Alltagslebens. Sie führt mitten hineien in die Auseinandersetzung zwischen denjenigen, die Bildungskultur, hier an Hand der Schrift, besitzen und denen, die sich nicht oder nicht im ausreichenden Maß zur Verfügung haben. (...) Die beeindruckende Arbeit der Verfasserin sollte als ein Anstoß zu weiteren Untersuchungen des Umgangs mit der Schrift verstanden werden. – Aus: Rheinisch-Westfälische Zeitschrift für Volkskunde, 46. 2001.
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The [...] text is an excellent example of uniting ethnography (or folklore studies) with material and methodological knowledge form associated disciplines [...] the book is immensely rich in material and it brings a number of fresh ideas. This is a comprehensibly and consistently structured work written in a very 'readable' manner, with a clearly defined object of its studies. – Jirí Woitsch in: Ceský lid - Etnologický casopis - Ethnological Journal, 3. 2003.
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Eine volkskundliche Studie gehört in der Regel nicht zur bibliotheksrelevanten Literatur. Doch diese kulturgeschichtliche Darstellung der Funktion und gesellschaftlichen Rolle des "Schreibers" im deutschen Sprachraum seit Beginn der Neuzeit ist aus 2 Gründen von breiterem Interesse: Einmal, weil die Autorin in ihrer materialreichen und gut lesbaren Arbeit eine wichtige Vermittlungsinstanz für die geistige Emanzipationsgeschichte des Bürgertums herausstellt und ebenso schlüssig wie anschaulich charakteriseiret. Und eben auch deshalb, weil in der gesellschaftlich umstrittenen und ambivalenten Rolle des Schreibens zugleich die Vorgeschichte der Rolle des Intellektuellen in der modernene Gesellschaft aufgearbeitet ist. Zumindest Großstadtbibliotheken sollten der interdisziplinär angelegten Arbeit eine Chance geben. – Aus: ekz-Informationsdiens, 2001.
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