Vier Industriegemeinden in Brandenburg, Thüringen und Bayern werden aufgesucht als „Orte punktueller Industrie“. Kleinstadt und Fabriksiedlung liegen im Schatten des Fabrikschornsteins. Im 20. Jh. herrschen dort eigene kulturelle Verhältnisse und Politikformen, die sich von der agrarischen Umgebung und der städtischen Arbeiterbewegung unterscheiden. Die Arbeiterschaft dominiert das soziale und politische Leben der spät industrialisierten Fabrikgemeinden. Das stabile linke Lager ist größer und radikaler als in anderen Ortstypen.
Träger dieser sozialen und politischen Formationen sind die Porzelliner und Glasarbeiter der örtlichen Fabrik. Die Berufsgruppen, Ausbildungs- und Lohnverhältnisse in den Fabrikbelegschaften werden anschaulich geschildert.
Sie verbindet der gemeinsame Erfahrungsraum arbeitsintensiver Produktion von Konsumgütern, deren Verfahren und Gesundheitsbelastungen der Autor ebenso beleuchtet. Die Sozialbeziehungen in den Betrieben waren geprägt von einer geringen Mechanisierung und einer hohen Berufsvererbung. Anhand prosopographischer Methoden geht die Studie der Frage nach, welche Beschäftigtengruppen das Milieu stützten. Wie wirkten wirtschaftspolitische Maßgaben der Weimarer Republik, des „Dritten Reich“ und der beiden Nachkriegsdeutschlande auf den Milieubestand? Wann zerbrach das Milieu?
Georg Goes