In der wissenschaftlichen Welt scheint man sich einig zu sein: "In Japan, da arbeiten sie in Teams". Eine systematische Analyse der entsprechenden Literatur zeigt jedoch, daß es ein etablierter "Wissenstand" ist, der weitgehend auf Zitierungen von zitierten Interpretationen von (vermeintlichen) empirischen Befunden beruht, welche nicht weiter hinterfragt werden.
Dieser unbefriedigende Wissensstand gab Anstoß zu sechs Fallstudien in Endmontagebereichen der Automobilindustrie in Japan - dem Fertigungsbereich, der im Zentrum des Stereotyps von "den in Gruppen arbeitenden Japanern" steht. Die Ergebnisse zeigen, daß dieses Stereotyp nicht mehr ohne gravierende Korrekturen auskommen kann. Von den romantisierenden Ideen über einen angeblich stark partizipativen Charakter von japanischer Gruppenarbeit müssen wir uns endgültig verabschieden. Diese treffen nicht auf die untersuchten Endmontagebereiche zu und damit auch nicht - wie das generalisierende Standardmeinungen behaupten - auf sämtliche Produktionsbereiche der japanischen Automobilindustrie oder gar auf die gesamte japanische Industrie. Zudem können die etablierten Standardauffassungen von der einheitlichen japanischen Arbeitsgruppe in dieser Pauschalität nicht aufrechterhalten werden.
Anne Sey