Unternehmen leisten mehr als das, wozu sie rechtlich verpflichtet sind: Sie entlohnen über Tarif, sie gewähren freiwillige betriebliche Sozialleistungen etc. - und das in einer Zeit, in der die Belastung der Unternehmen im Bereich der Personalkosten durch gesetzliche und tarifvertragliche Mindeststandards vielfach bereits als unzumutbar angesehen werden. Was ist das Kalkül, das hinter der betrieblichen Entscheidung zu einem Überbieten rechtlicher Standards steht, welches sind die Einflußfaktoren der freiwilligen Mehrleistung von Unternehmen? Warum betreiben gerade große Unternehmen eine eher großzügige Personapolitik, warum unterscheiden sich Branchen, warum Regionen? Warum werden Führungskräfte bei der Leistungszuteilung so offensichtlich bevorzugt? Auf all diese Fragen läßt sich eine Antwort geben, wenn die Entscheidung der Unternehmen für ein bestimmtes Leistungsniveau als Ergebnis einer "impliziten Verhandlung" zwischen Unternehmensleitung und Arbeitnehmern modelliert wird. Dies hängt dann im Ergebnis sowohl von unternehmensspezifischen Faktoren wie Arbeitsintensität und Ausmaß spezifischer Investionen ab als auch von den Konkurrenzbedingungen an Absatz- und Beschaffungsmärkten sowie von rechtlichen Mindeststandards. Alle Implikationen des Modells sind mit den stilisierten Fakten des Arbeitsmarktes kompatibel - und das, obwohl der Betriebsrat als Institution ausdrücklich vernachlässigt wird.
Kerstin Pull