Der Autor, Arzt, Psychiater und Religionswissenschaftler, porträtiert mit diesem Band "einen guten Menschen, zugleich einen der Großen in der Weltgeschichte des Geistes". Fesselnd ist dieser Versuch einer Annäherung an eine der überragenden Gestalten der Geistesgeschichte. Maimonides (1135-1204) wird in dem unentbehrlichen historischen Kontext dargestellt, jedoch in einer Weise, die dem Leser den mühelosen Zugang zu seinem Denken ermöglicht. Seine Leistungen als Mathematiker und Arzt, auf diesem Gebiet insbesondere als Wegbereiter der Psychohygiene, werden gewürdigt, vor allem aber seine theologischen Werke - in erster Linie die Kodifizierung der "mündlichen Lehre" - und seine philosophischen Traktate, in deren Mittelpunkt die Frage der Gottesbeweise steht.
Der streng orthodoxe Maimonides leitet (was Spinoza verkannte, als er ihn einen Pharisäer schalt) durch die Kodifizierung der "mündlichen Lehre" die Aufklärung ein, indem er dem einzelnen Juden die eigene Entscheidung unabhängig von den synagogalen Autoritäten ermöglicht. Er bemüht sich, die Gebote und Vorschriften und sogar den Glauben rational zu begründen. Doch scheint er selbst, so der Autor, von der Richtigkeit seiner Argumente nicht vorbehaltlos überzeugt. Er bleibt hin und her gerissen, ein "Unschlüssiger", der sich die Unzulänglichkeit der Vernunft nicht eingestehen will, aber hin und wieder zur Mystik neigt - eine mögliche Erklärung dafür, daß der Chassidismus ihn akzeptiert.
Dietrich Salfield