Das Foto eines vertrauten Menschen kann uns berühren « wie das Licht eines Sterns » (Roland Barthes); die Bilder flüchtender Kinder führen die Schrecken des Krieges geradezu schmerzhaft vor Augen. Wie kommt es, dass Fotos eine so ungeheure Wirkung auf uns haben? Wie viel Wirklichkeit steckt in oder hinter den Bildern?
Helmut Lethen geht diesen Fragen auf einem Streifzug durch die Kunst- und Mediengeschichte des 20. Jahrhunderts nach: Er zeigt uns am Beispiel der berühm-ten Fotografien Robert Capas von der Landung in der Normandie, wie aus Bildern Geschichtszeichen werden; er folgt gebannt den Performances von Marina Abramovic, in denen Kunst und Wirklichkeit verschmelzen; er vertieft sich in das ironische Zeichenspiel des Konzeptkünstlers Bruce Nauman, das jede Realität dahinter verschwinden lässt; er entdeckt in idyllisch anmutenden Bildern jene totale Verlassenheit, die ihn bereits als Kind erschreckte. Lethen erläutert, was Bilder sind und was sie vermögen, ohne dabei die Wirklichkeit hinter ihnen preiszugeben. Ein eindringliches Plädoyer und eine Schule des Sehens in einer unübersichtlichen Zeit.
Helmut Lethen
Helmut Lethen (1939–2026) zählt zu den prägenden Denkern der Gegenwart und zu den charismatischsten Vertretern der Kulturwissenschaften in Deutschland. Er lehrte in Utrecht und Rostock, bevor er 2007 die Leitung des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften in Wien übernahm. Sein Buch «Verhaltenslehren der Kälte» (1994) gilt als Standardwerk, für «Der Schatten des Fotografen» erhielt er 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse. Über «Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug» (2020) schrieb die «Süddeutsche Zeitung»: «Helmut Lethens Lebenserinnerungen lesen sich wie die Autobiographie einer Generation … Vor allem aber ist das Buch ein echter Bildungsroman.» Zuletzt erschien «Stoische Gangarten. Versuche der Lebensführung» (2025), «ein gedankenfunkelnder Essay von persönlicher Dringlichkeit», so die Jury der Sachbuch-Bestenliste von «Zeit», ZDF und Deutschlandfunk Kultur.
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